Fr. 05.02.21 Ernährungstherapie reduziert Sterblichkeit von Spitalpatienten

Eine gross angelegte Beobachtungsstudie des KSA belegt den breiten Nutzen einer behandlungsbegleitenden Ernährungstherapie

Ein schlechter Ernährungszustand bei Spitaleintritt ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Komplikationen und Sterblichkeit. Der breite Nutzen einer Ernährungstherapie für Spitalpatienten mit Risiko für Mangelernährung war bisher unklar. Nun zeigt eine schweizweit angelegte Beobachtungsstudie der Medizinischen Universitätsklinik am Kantonsspital Aarau in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik (BFS), dass eine Ernährungstherapie bei diesen Patienten mit einer reduzierten Sterblichkeit einhergeht und bestätigt damit die Daten aus klinischen Studien.

Mangelernährung bei Spitalpatienten ist eine grosse Herausforderung für das schweizerische Gesundheitssystem. Es ist bekannt, dass Patienten mit akuten Erkrankungen weniger essen, Gewicht abnehmen und oft schon vor der Spitaleinweisung mangelernährt waren, und deswegen schlechtere Langzeitprognosen haben. Klinische Studien aus der Vergangenheit haben bereits nachgewiesen, dass Mangelernährung zu einem anderen Krankheitsverlauf und zu einer schlechteren Überlebensprognose führen. Jüngst erschienene Studien konnten bereits zeigen, dass eine aktive Ernährungsberatung mit entsprechender Therapie einen positiven Einfluss auf die Prognose der Patienten hat. Seit 2013 wird deswegen auch der Ernährungszustand durch SwissDRG erfasst und hat einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Fallpauschale.

Schweizweit durchgeführte Beobachtungsstudie
Erstmals konnten jetzt Forschende aus dem Kantonsspital Aarau (KSA) in einer Beobachtungsstudie anhand der Daten von schweizweit über 100'000 hospitalisierten mangelernährten Patientinnen und Patienten zeigen, dass sowohl eine Ernährungsberatung als auch eine ergänzende Ernährungstherapie von Nutzen für den Patienten ist. Anhand von Daten des Bundesamtes für Statistik analysierten die Forschenden des KSA sämtliche Spitalaufenthalte von internistischen Patienten zwischen 2013 und 2018, bei denen gemäss der Fallpauschalen-Kodierung eine Mangelernährung vorlag.

Es wurde die Spitalsterblichkeit von Patienten, die eine Ernährungstherapie bekommen haben, mit jener Gruppe von Patienten verglichen, die nicht von einer Ernährungsberatung begleitet wurden. Neben der Sterblichkeit untersuchten die Forschenden des KSA aber auch, ob Zusammenhänge zwischen einer stattgefundenen Ernährungstherapie und der Wiedereintrittsrate beobachtet werden können und ob eine begleitende Ernährungstherapie einen Einfluss auf die Anzahl der notwendig werdenden Anschlusslösungen für die Patienten nach einem Spitalaufenthalt (Pflegeheim, Altersheim, etc.) hat.

Geringere Sterblichkeit, weniger Wiedereintritte
Mittels statistischer Methoden wurde dafür gesorgt, dass die beiden Gruppen möglichst vergleichbar waren. Bei mangelernährten, unbehandelten Patienten fand sich eine Spitalsterblichkeit von 8.8%. Bei den mangelernährten Patienten, die eine zusätzliche Ernährungsunterstützung erhielten, verstarben lediglich 7.2%. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von knapp 20%.

Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass weniger Patienten nach dem Spitalaustritt eine Anschlusslösung brauchten, wenn sie zuvor eine Ernährungstherapie erhalten hatten. Ebenfalls konnten bei den ernährungstherapierten Patienten weniger Wiedereintritte ins Spital nachgewiesen werden.

Wichtige Bedeutung für Schweizer Spitäler
Diese Resultate des KSA-Forschungsteams fasst eine kürzlich in der Fachzeitschrift «JAMA Network Open» veröffentliche Studie zusammen. Die gross angelegte Studie hat damit im «Alltagstest» in unseren Schweizer Spitälern bestätigt, dass eine Ernährungstherapie bei mangelernährten Patienten im Spital einen breiten Nutzen im Hinblick auf die Sterblichkeit, Wiedereintrittsrate sowie Spitalanschlusslösungen hat. Als Ergänzung zu früheren klinischen Studien, die ähnliche Resultate gezeigt haben, wird die Studie dazu beitragen, dass das Thema Mangelernährung in Zukunft noch ernster genommen werden muss und dass sowohl Spitalmitarbeitende als auch Patienten vermehrt für eine Ernährungstherapie sensibilisiert werden.

Weitere Informationen: presse@ksa.ch oder unter Telefonnummer 062 838 94 60.

Download:2021-02-05_studienergebnisse_ernaehrungstherapie_bei_mangelernnaehrung_ksa_mm.pdf