Do. 20.05.21 Weg von salzarmer hin zu eiweissreicher Diät

Individuelle Ernährungstherapie bei Herzinsuffizienz reduziert Sterblichkeit wie KSA-Studie zeigt


Forschende des Kantonsspitals Aarau (KSA) veröffentlichten kürzlich in der renommierten, amerikanischen Zeitschrift «Journal of the American College of Cardiology» eine Studie die erstmals zeigt, dass eine individualisierte und eiweissreiche Ernährungstherapie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz die Mortalität um über 50 Prozent senkt. Die Studienergebnisse sind wegweisend für die künftig angewendete Ernährungstherapie der genannten Patientengruppe. Bisher lag der Fokus einzig auf der Salzmenge in der Nahrung.


Die Ernährung spielt im Krankheitsverlauf von Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz eine entscheidende Rolle. Ein schlechter Ernährungszustand ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Komplikationen und erhöht die Sterblichkeit. Bei der Ernährungstherapie lag während vieler Jahre der Salzgehalt der Nahrung im Fokus, um den Blutdruck zu senken und somit das Herz zu entlasten. Salzarmes Essen schmeckt den betroffenen Patientinnen und Patienten jedoch häufig nicht und führt dazu, dass sie weniger essen. Sie verlieren Gewicht und Muskelmasse. Damit steigt Ihr Risiko mangelernährt zu werden, vor allem auch während des Spitalaufenthalts. Bisher war unklar, ob eine zielgerichtete Ernährung diesen Patientinnen und Patienten helfen kann. Die kürzlich veröffentlichte Studie von Forschenden des Kantonsspitals Aarau zeigt nun, dass eine eiweissreiche Ernährungstherapie bei diesen Patienten mit einer reduzierten Sterblichkeit einhergeht.


Einfluss einer Mangelernährung 


Ein KSA-Forscherteam hat in einer Sekundäranalyse der bereits publizierten Effort-Studie* 645 Patientinnen und Patienten des KSA und anderen Schweizer Spitälern mit einer dokumentierten Herzinsuffizienz detailliert ausgewertet. Dabei konnten sie zeigen, dass Patienten mit schwerer Mangelernährung ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko hatten in den darauffolgenden 6 Monaten zu versterben als Patienten mit leichter Mangelernährung. Zentrale Risikofaktoren sind dabei der Appetitverlust, eine verminderte Nahrungsaufnahme und ein Gewichtsverlust.


Geringere Sterblichkeit, weniger kardiovaskuläre Ereignisse


Ob die Risiken der Mangelernährung durch eine individuelle Ernährungstherapie reduziert werden können, war bisher unklar, weil entsprechende Studien gefehlt haben. In der nun veröffentlichenden Arbeit wurden Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz, bei denen ein Ernährungsrisiko bestand, zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt während ihres Spitalaufenthalts herkömmliche Gerichte aus der Spitalküche. Für die Patientinnen und Patienten der zweiten Gruppe stellten Ernährungsberaterinnen ergänzend einen individuellen Ernährungsplan zur Erreichung von Eiweiss- und Kalorienzielen zusammen. Nach je 30 und 180 Tagen zeigte sich: Durch eine individualisierte, eiweissreiche Ernährung wurde nicht nur die Versorgung mit Energie und Proteinen besser erreicht, sondern auch die Behandlungsergebnisse verbesserten sich generell. So ging im Vergleich die Sterblichkeit zurück, es traten weniger kardiovaskuläre Ereignisse auf (z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt), und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten nahm ebenfalls zu. 


Grosse Bedeutung für Patienten mit Herzinsuffizienz


«Unsere Ergebnisse zeigen, dass Mangelernährung beim Herzinsuffizienzpatienten ein modifizierbarer Risikofaktor ist und die eiweissreiche Ernährungstherapie einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat», sagt Studienleiter Prof. Dr. Philipp Schütz, Chefarzt der Inneren und Notfallmedizin am Kantonsspital Aarau. «Diese Studie ist deshalb für die Behandlung von polymorbiden Spitalpatienten mit einer Herzinsuffizienz von grosser Relevanz und dürfte die Bedeutung der Ernährungstherapie bei Risikopatienten stärken.» Prof. Schütz fordert ein Umdenken weg von einer salzarmen hin zu einer eiweissreichen Diät bei diesen Patienten.



Am KSA wird heute beim Spitaleintritt bei Patientinnen und Patienten mit einer Herzinsuffizienz ein Mangelernährungs-Screening durchgeführt. Bei erhöhtem Risiko wird gemeinsam mit der Ernährungsberatung ein Therapieplan erstellt. Die durch die Studie gewonnenen Erkenntnisse fliessen damit direkt in den Klinikalltag ein.


Die Studie wurde in der Ausgabe 18 (Mai 2021) des Journal of the American College of Cardiology publiziert und kann online abgerufen werden.


 


 


Weitere Informationen: presse@ksa.ch oder unter Telefonnummer 062 838 94 60.


*Die Effort-Studie (Effect of early nutritional support on frailty, functional outcomes and recovery of malnourished medical inpatients trial) wurde vom Schweizerischen Nationalfonds und dem Forschungsfonds des Kantonsspitals Aarau unterstützt.


 


 

Download:2021-05-20_studie_herzinsuffizienz_ernaehrung.pdf