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Advanced Practice Nurse: Nah am Menschen, stark in der Expertise

27. Juli 2026

Die Grundidee einer Advanced-Practice-Rolle im Spital ist die patientenzentrierte Versorgung. Komplexe Patientinnen und Patienten werden dabei von einer Pflegefachperson mit Masterabschluss begleitet. Mario Hinrichs und Claudia Bertschi geben uns einen Einblick in ihre Tätigkeit als Advanced Practice Nurse (APN) am KSA.

  • Lesedauer ca. 8 Minuten
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Welche Aufgaben habt ihr als APN?

Claudia: Ich begleite Patienten, die grosse urologische Eingriffe vornehmen müssen. Hauptsächlich sind das Menschen, denen aufgrund von Krebs die Prostata oder die Blase entfernt werden muss. Im Rahmen der APN-Sprechstunde begleite ich Betroffene entlang des gesamten Behandlungspfades. Ich führe Gespräche vor der Operation, erläutere den Ablauf, kläre über mögliche Komplikationen auf und leite im Umgang mit Kathetern an. Mir ist wichtig, den ganzen Menschen zu sehen. Ich berücksichtige auch Nebendiagnosen und ziehe das persönliche Umfeld mit ein.

Mario: Ich begleite vor allem ältere Menschen mit Delir oder erhöhtem Delirrisiko auf den Bettenstationen. Ein Delir ist eine akute Verwirrtheit, die im Spital bei vielen Patientinnen und Patienten als Komplikation auftritt und sehr zeit- und kostenintensiv ist. Ich führe Assessments durch, spreche mit Angehörigen und unterstütze das interprofessionelle Team im Umgang mit Betroffenen. Oft geht es darum, in komplexen Situationen potenzielle Probleme früh zu erkennen und zu verhindern, damit die Behandlung der eigentlichen Krankheit erfolgreich durchgeführt werden kann.

Das Ziel der APN ist das Schliessen einer Versorgungslücke und damit eine Verbesserung der Behandlungsqualität.

Wie profitieren Patientinnen und Patienten und Mitarbeitende von einer APN?

Claudia: Die in der Regel männlichen Patienten haben mit mir eine konstante Ansprechperson entlang des ganzen Behandlungspfads. Gerade bei grossen Eingriffen ist das sehr wertvoll. Oft stehen viele Fragen und Unsicherheiten im Raum. Ich beantworte diese, leite an und gebe Sicherheit. Die Patienten können so das Spital oft früher verlassen und haben auch zu Hause eine Ansprechperson, an die sie sich wenden können. Auch die Teams profitieren, weil ich koordinative Aufgaben übernehme und für fachliche Fragen erreichbar bin.

Mario: Menschen mit Delir brauchen viel Zeit und spezifisches Wissen. Ich unterstütze die Teams dabei, Massnahmen zu priorisieren und einen Zugang zu den Betroffenen zu finden. Oft genügen einfache Massnahmen wie gemeinsam mit dem Pflegeteam Herausforderungen zu identifizieren, klare Anleitungen oder das Erfragen von Ängsten bei den Patientinnen und Patienten. Das entlastet die Stationen und verbessert die Betreuung. Viele verbinden Delir mit Unruhe. Oft zeigt es sich jedoch subtil, zum Beispiel durch Schläfrigkeit oder verminderte Aufmerksamkeit. Eine frühe Erkennung hilft, Komplikationen wie Mangelernährung oder Stürze zu vermeiden.

Was ist über eure Funktion noch zu wenig bekannt?

Claudia: Viele wissen noch nicht, dass die APN eigenständige Fachpersonen mit vertieftem klinischem Wissen sind. Wir arbeiten eng mit der Ärzteschaft zusammen, übernehmen aber in unserem Kompetenzbereich eigene fachliche Verantwortung und treffen selbstständig Entscheidungen.

Mario: Jede APN-Rolle am KSA wird vom Team der Pflegeentwicklung gemeinsam mit dem Arztdienst entwickelt und implementiert. Das Ziel der APN ist das Schliessen einer Versorgungslücke und damit eine Verbesserung der Behandlungsqualität. Es existieren teilweise falsche Vorstellungen von meiner Rolle: Im Gegensatz zu Claudia übernehme ich keine ärztlichen Aufgaben, sondern bringe pflegerische Expertise ein.

Claudia Bertschi arbeitet seit fünf Jahren am KSA. Sie schliesst im Juli 2027 ihren Master als Nurse Practitioner an der ZHAW in Winterthur ab. Seit September 2025 führt sie die APN-Sprechstunde für Patientinnen und Patienten, welche ihre Prostata oder die Blase entfernen müssen.
Claudia Bertschi arbeitet seit fünf Jahren am KSA. Sie schliesst im Juli 2027 ihren Master als Nurse Practitioner an der ZHAW in Winterthur ab. Seit September 2025 führt sie die APN-Sprechstunde für Patientinnen und Patienten, welche ihre Prostata oder die Blase entfernen müssen.
Mario Hinrichs arbeitet seit fünf Jahren am KSA. 2024 startete er als erste Person in einer APN-Rolle. Seine Konsile für Menschen mit Delir entlasten Pflegedienst und Ärzteschaft. Im Sommer 2026 schliesst er seinen Master mit Schwerpunkt APN an der Universität Basel ab.
Mario Hinrichs arbeitet seit fünf Jahren am KSA. 2024 startete er als erste Person in einer APN-Rolle. Seine Konsile für Menschen mit Delir entlasten Pflegedienst und Ärzteschaft. Im Sommer 2026 schliesst er seinen Master mit Schwerpunkt APN an der Universität Basel ab.

Gibt es Stolpersteine? Was funktioniert noch nicht so gut?

Claudia: Meine Rolle ist neu und muss sich noch weiter etablieren. Manche Abläufe müssen sich noch einspielen und Zuständigkeiten geklärt werden. Auch bei den Patienten muss teilweise noch ein Umdenken stattfinden. Fragen, die früher die Ärztin bzw. der Arzt beantwortete, beispielsweise zu Medikamenten oder zum weiteren Vorgehen nach der Operation, fallen nun in meinen Verantwortungsbereich.

Mario: Ich war 2024 die erste APN am KSA, die bereichsübergreifend tätig war. Pflegeteams und Ärzteschaft kennen mich auf den meisten Bettenstationen gut. Manchmal existieren trotzdem falsche Erwartungen. Eine falsche Annahme ist, dass ich die medikamentöse Therapie verordne. Meine Schwerpunkte liegen auf der Delirerkennung, den nicht-pharmakologischen Massnahmen und Empfehlungen für Therapiemöglichkeiten.

Was sind die nächsten Schritte und was wünschst du dir für die Zukunft?

Claudia: Da meine Funktion neu ist, kann ich sie aktiv mitgestalten. Ich erweitere meine Kompetenzen und mein Fachwissen fortlaufend. Aktuell bilde ich mich in der ambulanten Therapie von urologischen Patienten weiter. Mein langfristiges Ziel ist es, das gesamte uroonkologische Spektrum abdecken zu können, damit alle Patientinnen und Patienten von einer ganzheitlichen Betreuung profitieren können. Ich möchte das volle Potenzial dieser Rolle ausschöpfen.

Mario: Die Pflegenden der Stationen melden sich meistens erst sehr spät. D.h. das Delir ist bereits vorhanden und herausforderndes Verhalten besteht – dies schliesst häufig Gewalt gegenüber dem Personal ein. Ich wünsche mir ein proaktives Vorgehen, das bedeutet Schmerzen aktiv erkennen, Ängste wahrnehmen, Angehörige einbeziehen, ehe Betroffene mit ihrem Verhalten ein Problem kommunizieren. Ich arbeite weiterhin auf den Stationen sowie bei Schulungen darauf hin, dass ich hinzugezogen werde, bevor es zu Gewaltausbrüchen kommt.