Augenblicke für die Augen
27. Juli 2026
Die Augen sind ein hochkomplexes Sinnesorgan. Mit einfachen Massnahmen können wir ihre Gesundheit unterstützen.
- Fachperson Dr. med. Anthia Papazoglou
- Lesedauer ca. 6 Minuten
Was wir sehen, überzeugt uns. Mit keinem anderen Sinnesorgan nehmen wir so viele Eindrücke auf wie mit den Augen. Millionen von Sehzellen wandeln riesige Menge an Informationen in elektrische Signale um und leiten sie ans Hirn weiter. Doch was tun wir für unsere Augen?
20-20-20-Regel durchbricht die Monotonie
Unsere Augen haben es verdient, dass wir ihnen Aufmerksamkeit schenken. Dafür braucht es weder viel Zeit noch Geld, wie Anthia Papazoglou, Stv. Leitende Ärztin Ophthalmologie/Ophthalmochirurgie am Kantonsspital Aarau (KSA), im Gespräch aufzeigt. Das Reiben der Augen sei keine gute Idee, sagt sie. «Der Druck belastet die Hornhaut.» Wenn die Müdigkeit dafür der Grund sei, helfe nur Schlaf und die Benetzung der Augen. So können sich die Augenoberflächen wieder entspannen.
Gerade bei Berufen mit viel Bildschirmarbeit und durch den zunehmenden Handykonsum wird der Scharfstellmuskel des Auges durch die Naharbeit ständig angespannt. Zudem blinzeln die Augen durch die Fokussierung auf den Bildschirm viel weniger. Das führt zu Ermüdung und trockenen Augen und kann die Sehleistung vermindern. Für solche Situationen kann die Fachfrau mehrere Tipps für die Umsetzung im Alltag geben: «Machen Sie regelmässig Bildschirmpausen. Als Eselsbrücke hilft die 20-20-20-Regel.» Das bedeutet: alle 20 Minuten für 20 Sekunden rund 20 Feet (ca. sechs Meter) in die Ferne schauen. «Das bricht die Monotonie und erlaubt den Augen, sich zu entspannen», sagt Anthia Papazoglou.
Trockene Augen sind trotzdem keine Seltenheit. Dabei hat das Auge zu wenig Tränenflüssigkeit oder deren Qualität ist nicht optimal. Die Betroffenen nehmen dies oft als Brennen oder Jucken wahr, als ob sich ein Fremdkörper im Auge befände. Der Tränenfilm aus Wasser, Schleim und Fett ist in diesen Fällen oft gestört, weil die Fettdrüsen auf dem Lidrand verstopft sind. Auch hier kann man selbst etwas tun, bevor es zu chronischen Entzündungen und Sehstörungen kommt. Für Menschen, die rauchen, gilt als erstes, damit aufzuhören. Denn Rauchen ist nicht nur bei Makuladegeneration schädlich, sondern beeinträchtigt auch den Tränenfilm gesunder Augen. Anthia Papazoglou erklärt, wie man die Lidkantenpflege durchführen kann: «Wärmen Sie die Lidränder mit einem warmen Waschlappen oder einer Wärmemaske auf. Anschliessend drücken Sie mit einem Wattestäbchen punktuell knapp am Lidrand.» Dabei blickt die Ärztin nach oben, um die Hornhaut vor dem Druck zu schützen. Anschliessend reinigt sie die Lidkante mit einem trockenen Wattestäbchen.
Schlaue Köpfe schützen auch die Augen
«Jemandem in die Augen zu schauen, hat etwas sehr Unmittelbares und Menschliches», sagt Anthia Papazoglou. Man merkt: Sie ist begeistert von ihrem Beruf. «Die Augenheilkunde vereint für mich präzise chirurgische Arbeit, diagnostische Vielseitigkeit und die Möglichkeit, die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten oft spürbar zu verbessern», sagt sie. Doch auch ihre Möglichkeiten sind begrenzt. Deshalb rät sie dringend: «Tragen Sie Schutzbrillen, wo Gefahr besteht, dass etwas ins Auge gehen kann.» «Denn», mahnt sie, «ein Auge verliert man nur einmal!»
Und was hat es mit den berühmten Rüebli auf sich, die man im Volksmund für eine bessere Sehleistung empfiehlt? «Die Bedeutung der ausgewogenen Ernährung im Sinne der Lebensmittelpyramide bleibt unbestritten», betont die Ärztin. Rüebli und grünes Gemüse, aber auch Zitrusfrüchte, Beeren und Nüsse sind auch für die Augen gesund. Zusätzliche Mikronährstoffe (wie Karotinoide, Vitamin C, Vitamin E oder Kalzium) in Form von Nahrungsergänzungsmitteln braucht es ohne nachgewiesenen Mangel oder spezielle augenärztliche Empfehlung nicht.
Die genannten Tipps für die Augenwellness ersetzen keine regelmässige Kontrolle beim Augenarzt, betont Dr. Papazoglou. «Denn oft passieren Verschlechterungen schleichend. Das Gehirn kann viel kompensieren. Bis die ersten Sehschwächen wahrgenommen werden, ist meist schon viel passiert.» Deshalb empfiehlt sie abschliessend auch jungen Erwachsenen, ihre Augen etwa alle fünf bis zehn Jahre kontrollieren zu lassen. Bei Diabetes, Bluthochdruck, starker Kurzsichtigkeit oder familiärer Vorbelastung sind häufigere Kontrollen sinnvoll – spätestens ab 40 eine umfassende Untersuchung.
Monika Neidhart