Der neue Notfall: Bereit für den Ernstfall
19. Oktober 2026
Wer auf die Notfallstation kommt, braucht vor allem eines: schnell die richtige Hilfe. Das neue Notfallzentrum im Dreiklang schafft dafür deutlich mehr Platz, eine moderne Infrastruktur und eine klar abgestufte Versorgung.
- Lesedauer ca. 9 Minuten
Ein verstauchter Knöchel, starke Brustschmerzen oder ein schwerer Unfall: Die Gründe für einen Besuch auf der Notfallstation sind so unterschiedlich wie die Behandlung, die sie erfordern. Gleichzeitig sind die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, sodass die bisherigen Räumlichkeiten auf dem KSA-Areal zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Das neue Notfallzentrum wurde deshalb von Grund auf für ein höheres Patientenaufkommen und unterschiedliche Behandlungsbedürfnisse geplant.
Das zeigt sich bereits bei der Ankunft: Wer selbstständig auf die Notfallstation kommt, nutzt den Walk-in-Eingang. Rettungsdienste mit liegenden Patientinnen und Patienten gelangen über einen separaten Eingang ins Gebäude. Für Rettungsfahrzeuge steht neu ein grosszügiger Vorfahrtsbereich zur Verfügung.
Am Eingang erfolgt die Triage. Dabei beurteilen speziell geschulte Pflegefachpersonen, wie dringend die Behandlung ist und welcher Notfallbereich sich dafür am besten eignet. Das Spektrum reicht von der Notfallpraxis für leichtere Beschwerden über eine Behandlungszone mit Überwachungsmöglichkeiten bis zur Notfallstation für komplexere Fälle. Für schwere und lebensbedrohliche Notfälle stehen im Dreiklang neu zwei voll ausgestattete Schockräume sowie zwei zusätzliche Akutkojen bereit.
Notfallpraxis: Für Patientinnen und Patienten, deren Beschwerden nach der Triage ambulant behandelt werden können und die keine weitergehende Überwachung benötigen.
Notfallstation: Für komplexere oder schwerere Erkrankungen und Verletzungen.
Short Stay Unit: Für Patientinnen und Patienten, die voraussichtlich während maximal 24 Stunden überwacht oder behandelt werden müssen.
Akutbereich/Schockraum: Für schwerste und lebensbedrohliche Notfälle.
Mehr Raum und Behandlungsplätze
Das neue Notfallzentrum ist insgesamt grosszügiger angelegt. Das zeigt sich unter anderem auch in der Notfallpraxis. «Heute haben wir vier Behandlungskojen, künftig werden es neun sein. Die zusätzlichen Behandlungsplätze schaffen mehr Kapazität und ermöglichen es uns, Patientinnen und Patienten rascher einer freien Koje zuzuteilen», erklärt Dr. med. Sonja Guglielmetti, Chefärztin des Interdisziplinären Notfallzentrums am KSA. Der zentrale Pflegestützpunkt der Notfallstation liegt mitten im Geschehen. Die Behandlungsräume sind rundherum angeordnet, sodass die Mitarbeitenden ihre Patientinnen und Patienten jederzeit gut im Blick haben. «Trotz der grösseren Fläche bleiben wir nah bei unseren Patientinnen und Patienten», betont Guglielmetti. Für Angehörige entsteht beim Walk-in-Eingang zudem ein eigener, grosszügiger Wartebereich.
Mehr Möglichkeiten für Diagnostik und Behandlung
Mehr Möglichkeiten gibt es auch bei Diagnostik und Behandlung. Spezialisierte Räume stehen unter anderem für Urologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Augenheilkunde und Gynäkologie zur Verfügung. Röntgen und Gipsversorgung befinden sich ebenfalls direkt angegliedert. Für Patientinnen und Patienten mit ansteckenden Erkrankungen gibt es zudem zwei Isolationszimmer mit separatem Zugang und Schleuse. Die verschiedenen Zugangs- und Abtrennungsmöglichkeiten schaffen zusätzliche Flexibilität, um Patientenströme in besonderen Situationen – etwa während einer starken Grippewelle oder einer Pandemie – gezielt zu steuern und voneinander zu trennen.
Durchschnittlich 260 Notfälle werden am KSA jeden Tag behandelt.
Für lebensbedrohliche Situationen stehen neu zwei Schockräume zur Verfügung. Grosse Monitore zeigen wichtige Patientendaten und Überwachungswerte an, zudem können CT-Bilder direkt im Schockraum betrachtet werden. «Die neuen Schockräume sind für uns ein grosses Plus. Sie sind modern ausgestattet und schaffen beste Voraussetzungen für eine hochwertige Versorgung in besonders kritischen Situationen», so Guglielmetti. Auch die grosszügigen Platzverhältnisse tragen dazu bei: Sie erleichtern die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachpersonen, die bei schweren Notfällen gleichzeitig an der Behandlung beteiligt sind. So entsteht ein gemeinsamer Versorgungsraum, in dem Expertise gebündelt, Entscheidungen rasch getroffen und die hochkomplexe Behandlung von Patientinnen und Patienten interprofessionell und interdisziplinär koordiniert werden kann.
Das KSA gehört zu den führenden Zentren für die Versorgung Schwerverletzter: Als einziges Spital im Kanton Aargau verfügt es über einen HSM-Leistungsauftrag in diesem Bereich und ist, gemessen an den Patientenzahlen des Schweizer Traumaregisters, das viertgrösste Polytraumazentrum der Schweiz. Auch bei anderen zeitkritischen Notfällen nimmt das KSA eine zentrale Rolle ein. Es betreibt das einzige Stroke Center im Kanton und bietet eine 24-Stunden-Versorgung bei Herzinfarkten.
Kurz bleiben statt verlegt werden
Eine wichtige Ergänzung ist die geplante Short Stay Unit. Sie ist für Patientinnen und Patienten gedacht, die voraussichtlich während maximal 24 Stunden überwacht oder behandelt werden müssen, aber keinen längeren stationären Aufenthalt benötigen. Künftig können sie im Umfeld des Notfalls weiterbetreut und – wenn es ihr Gesundheitszustand erlaubt – direkt von dort nach Hause entlassen werden. Das vermeidet unnötige Verlegungen und entlastet gleichzeitig die Bettenstationen.
Moderne Versorgung für kleine Patientinnen und Patienten
Auch das Kindernotfallzentrum wurde gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern und Familien ausgerichtet. Grosszügigere Räume, grundsätzlich Einzelzimmer, eine abgetrennte Triage und mehrere Wartezonen sorgen für mehr Ruhe, Privatsphäre und eine bessere Trennung von Kindern mit unterschiedlichen Krankheitsbildern.
Eine wichtige Neuerung ist die Kindernotfallpraxis für weniger dringliche Fälle. Bereits bei der Triage wird entschieden, ob ein Kind dort oder im Kindernotfallzentrum behandelt wird. Dafür stehen insgesamt 14 Behandlungsräume im Kindernotfallzentrum sowie vier weitere in der Kindernotfallpraxis zur Verfügung.
Für schwer kranke und verletzte Kinder gibt es neu einen voll ausgestatteten Akutbehandlungsplatz. Bei schmerzhaften Eingriffen kann in vier Behandlungszimmern Lachgas eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern und die Kinder zu beruhigen. Knochenbrüche können unter Röntgenkontrolle direkt vor Ort wieder in die richtige Position gebracht und eingegipst werden. So lassen sich wichtige diagnostische und therapeutische Schritte ohne zusätzliche Wege durchführen.
94 724 Notfälle wurden 2025 am KSA behandelt. Davon entfielen 32 140 auf das Kinderspital des KSA.
Der Kindernotfall verfügt über einen eigenen Zugang und ist klar vom Erwachsenennotfall getrennt. Gleichzeitig liegen beide Bereiche neu nahe beieinander – das ist wichtig, wenn bei schwer verletzten Kindern verschiedene Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten müssen.
Für eine kindgerechte Atmosphäre sorgen die Gestaltungselemente: Waldtiere begleiten Kinder und Familien durch das gesamte Notfallzentrum, geben Orientierung und schaffen in der ungewohnten Umgebung ein vertrauteres Gefühl.
Das neue KSA
Ab Januar 2027 wird vieles, was heute auf die verschiedenen Gebäude des KSA-Areals verteilt ist, im Neubau Dreiklang unter einem Dach vereint. Der Neubau bringt aber weit mehr als nur räumliche Veränderungen mit sich. Kürzere Wege, neu gestaltete Abläufe, eine engere Zusammenarbeit und innovative Technologien schaffen neue Möglichkeiten für den Spitalalltag. Alles mit einem Ziel: die Menschen auch in Zukunft medizinisch auf höchstem Niveau zu versorgen.
Entdecken Sie auf ksa.ch/dreiklang spannende Einblicke in ausgewählte Bereiche des neuen Spitals, gewinnen Sie einen Eindruck von der Gestaltung und Atmosphäre des Neubaus und erfahren Sie, wie das KSA mit dem Dreiklang die Grundlage für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung schafft.