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Die richtige Ernährung für den Königstraum

21. August 2026

Das Ziel ist gross. Der Wille auch. Sinisha Lüscher will Schwingerkönig werden. Expertinnen und Experten am KSA begleiten den 20-jährigen Aargauer auf dem Weg dahin.  

  • Fachperson Dr. med. univ. Katja Leitner
  • Lesedauer ca. 10 Minuten
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Spitzensport bedeutet heute mehr als nur hartes Training und genügend Schlaf. Um körperliche Bestleistungen abrufen zu können, stützt sich Sinisha Lüscher auf die Expertise der Sport- und Ernährungsmediziner am KSA. Dr. med. Katja Fredriksson-Leitner ist dabei seine medizinische Ansprechperson. Sie koordiniert und analysiert sämtliche Untersuchungen des Schwingers und bespricht mit ihm Anpassungen im Ernährungs- und Trainingsplan. 

«Der Körper eines Schwingers muss einiges aushalten. Er ist im Training wie im Wettkampf einer enormen Belastung ausgesetzt», erklärt die Ernährungsmedizinerin. «Neben Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Körperkontrolle ist vor allem Explosivkraft gefragt. Sitzt der Griff im Sägemehl einmal, entscheidet oft der Bruchteil einer Sekunde darüber, ob ein Schwung gelingt», führt Fredriksson weiter aus. Bei Sinisha wurde eine ausführliche Blutanalyse durchgeführt, die Atem- und Ausdauerleistung getestet und die bestehende Ernährung in den Fokus gerückt. Ziel ist, dass Sinisha an seinen Wettkampftagen konstant starke Leistung abrufen kann, um im besten Fall nach den Kämpfen als Sieger aus dem Sägemehlring zu treten.  

 

Ernährungsumstellung ohne fixen Plan 

Die Ernährung kann für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Sie müssen grundsätzlich auf eine protein-, ballaststoff- und kohlenhydratreiche Ernährung achten. «Wir baten Sinisha, während einer Woche jede seiner Mahlzeiten zu fotografieren. Wir haben sein Essverhalten analysiert und Anpassungen vorgenommen», erklärt die Fachärztin. So wurde beispielsweise aus einem leichten oder häufig übersprungenen Frühstück eine ausgewogene Mahlzeit, die durch ausreichend Kohlenhydratanteil eine solide Basis fürs erste Training schafft. Sinisha nimmt heute zum Frühstück ein Ei, Vollkornbrot und einen Proteinshake zu sich. Für ihn ist das eine praktikable und schnell verfügbare Mahlzeit. Die Mahlzeitenanalyse zeigte zudem auf, dass seine Proteinquellen oft zu fettreich waren. «Anstelle von Wurstwaren empfahl ich mageres Rindfleisch oder Poulet. Auch weitere proteinreiche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte oder Hüttenkäse stehen auf der Liste. Fisch ist nicht unbedingt sein Lieblingsgericht. Wichtig ist, dass das Essen immer noch Freude macht. Darum gibt es auch keinen fixen Ernährungsplan. Eine einfache Faustregel besagt: Kohlenhydrate sollten vor dem Training konsumiert werden, Proteine danach. «Auch der Genuss und die Praktikabilität spielen aus meiner Sicht eine wichtige Rolle», erklärt Katja Fredriksson. «An Ferien- und Freizeittagen darf man auch pragmatischer sein als am Wettkampftag oder wichtigen Trainings.» 

Vieles hat Sinisha bei der Ernährung bereits intuitiv richtig gemacht. Für die Details vertraut er auf die Empfehlungen der Ernährungsärztin.
Vieles hat Sinisha bei der Ernährung bereits intuitiv richtig gemacht. Für die Details vertraut er auf die Empfehlungen der Ernährungsärztin.
 
 

Nahrung sinnvoll ergänzen 

Neben den Empfehlungen für die Ernährung zwischen den Wettkämpfen wurde auch die Ernährung am Wettkampftag selbst betrachtet. Sinisha ist am Wettkampftag konzentriert und fokussiert. Dabei wird Essen eher zur Last und rückt in den Hintergrund. «Anstelle von Wasser trinkt Sinisha heute Getränke, die mit Elektrolyten und Zucker angereichert sind. So ist sein Körper mit der nötigen Energie für die Kämpfe versorgt und er muss sich nicht damit auseinandersetzen, was er vor den Gängen essen mag», erklärt Katja Fredriksson.  

An drei Tagen in der Woche trainiert Sinisha Muskeln und Explosivkraft. Zur Unterstützung des Muskelaufbaus empfiehlt die Spezialistin, Leucin als Nahrungsergänzung einzunehmen – primär sollte die Zufuhr aber aus dem Essen kommen. Leucin ist eine essentielle Aminosäure, die natürlicherweise vor allem in Fleisch, manchen Fischsorten und Milchprodukten vorkommt. Pflanzliche Quellen sind Sojabohnen, Erdnüsse und Linsen. 

Grundsätzlich empfiehlt die Ernährungsmedizinerin allen Menschen einen bunten Speiseplan mit einer möglichst regionalen und saisonalen Auswahl an vielfältigen Nahrungsmitteln: «Ich rate jedem dazu, möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu konsumieren und pro Woche 30 verschiedene Gemüse-, Kräuter-, Samen- oder Obstkomponenten auf den Teller zu bringen. Auf 20 kommt man leicht, danach muss man schon kreativ werden. Das ist eine gute Voraussetzung, damit der Körper langfristig gesund bleibt.» Spitzensportler und Menschen, die unter Mangelernährung leiden, müssen jedoch mit Nahrungsergänzungsmitteln versorgt werden, um keine langfristigen gesundheitlichen Einbussen hinnehmen zu müssen. 

 

Angepasster Trainingsplan und Siege im Sägemehl 

Sinisha Lüscher ist einer, der sehr geradlinig und fokussiert auf sein Ziel hinarbeitet. Gemeinsam mit seinem Trainer wurden aufgrund der Empfehlungen der KSA-Spezialistinnen und -Spezialisten die Trainingspläne angepasst. Die Leistungstests im Mai fielen vielversprechend aus. Sinisha konnte sich in vielen Bereichen verbessern. Auch im Sägemehl konnte der junge Schwinger aus dem Wiggertal starke Leistungen abrufen: In diesem Jahr sicherte er sich bereits drei Bergkränze sowie den Kranzfestsieg am Solothurner Kantonalschwingfest in Stüsslingen und gemeinsam mit Nick Alpiger den Sieg beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest in Oberdorf. Katja Fredriksson und das gesamte Team des KSA-Sportzentrums werden ihn auch weiterhin eng begleiten, damit Sinishas grosser Traum wahr wird.

Support am Schwingfest: Katja Fredriksson, Trainer Jürg Monhart und Sinisha Lüscher am Rigi Schwingen.
Support am Schwingfest: Katja Fredriksson, Trainer Jürg Monhart und Sinisha Lüscher am Rigi Schwingen.

Katja Fredriksson arbeitet seit 2020 am Kantonsspital Aarau. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin und Endokrinologie und hat sich zusätzlich auf Ernährungsmedizin spezialisiert. Sie koordiniert sämtliche Untersuchungen von Sinisha Lüscher am KSA und berät ihn in Ernährungs- und Leistungsfragen. Bei der Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten sowie von Sportlerinnen und Sportlern versucht sie zuerst immer den Blickwinkel des Gegenübers einzunehmen, um dann Gewohnheiten Schritt für Schritt und nachhaltig anzupassen.