Gemeinsam für starke Herzen
3. September 2026
Seit dem 1. September steht Tobias Fuchs an der Spitze der Kardiologie am Kantonsspital Aarau. Sein Rezept für Topmedizin: modernste Technik, viel Erfahrung und ein starkes Team.
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Über seine wissenschaftliche Laufbahn könnte Tobias Fuchs lange sprechen: Mehr als 80 Fachartikel hat er publiziert, am Universitätsspital Zürich und am renommierten Bristol Heart Institute in England gearbeitet und geforscht. Doch ihm sind andere Themen wichtiger: Vertrauen. Zusammenarbeit. Expertinnen und Experten, die ihr Wissen bündeln, damit ein Herz auch im Notfall wieder richtig schlägt. «Allein kann niemand Spitzenmedizin machen», sagt der 42‑Jährige.
Am 1. September, hat Tobias Fuchs die Leitung der Kardiologie am Kantonsspital Aarau (KSA) als neuer Chefarzt übernommen. Neu ist für ihn die Aufgabe, nicht das Umfeld. Seit sechs Jahren arbeitet er bereits am KSA, zuletzt als stellvertretender Chefarzt und Leiter der multimodalen kardialen Bildgebung – sein Schwerpunkt. Dass er nun eine der grössten nichtuniversitären Herzkliniken der Schweiz leiten könne, sei ein Traum, der in Erfüllung gehe, sagt er.
Moderne Bildgebung, neue Möglichkeiten
Schon früh faszinierte Tobias Fuchs das Herz. Nicht nur als Organ, sondern auch wegen seiner erstaunlichen Leistungsfähigkeit. Das Herz pumpt und pumpt und pumpt – rund 70‑mal pro Minute, gut 100’000‑mal am Tag. Pausenlos. Jahr für Jahr rund 36,7 Millionen Mal. Dabei pumpt es täglich etwa 7000 Liter Blut durch das Blutgefässsystem unseres Körpers und versorgt ihn so mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Doch manchmal gerät das Herz aus dem Takt. Oder schlimmer. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hierzulande die mit Abstand häufigste Todesursache: Etwa 20’000 Menschen sterben in der Schweiz pro Jahr daran.
Die Herzmedizin hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Tobias Fuchs interessiert besonders, wie sich Herzkrankheiten erkennen lassen, ohne Patientinnen und Patienten unnötig zu belasten. Genau darum geht es in seinem Schwerpunkt: der multimodalen kardialen Bildgebung. Sie verbindet verschiedene Untersuchungsmethoden wie Herzultraschall, Herz-MRT, Herz-CT und Herz-PET. «Jede Methode liefert andere Informationen. Je nach Fragestellung kommt sie gezielt für sich allein oder in Kombination mit anderen Verfahren zum Einsatz – so entsteht ein möglichst umfassendes Bild des Herzens», erklärt Fuchs.
So lassen sich heute viele Herzkrankheiten erkennen, ohne Gewebe aus dem Herzen entnehmen zu müssen. Ein Herz-MRT zeigt zum Beispiel, wie gut der Herzmuskel arbeitet und wie gut er durchblutet ist. Gleichzeitig macht es Entzündungen, Narben oder krankhafte Veränderungen sichtbar. Moderne Computertomografien liefern ebenfalls hochauflösende Bilder – und benötigen deutlich weniger Strahlung als noch vor wenigen Jahren. «Die Technik hat enorme Fortschritte gemacht», sagt Fuchs. «Davon profitieren vor allem unsere Patientinnen und Patienten.»
Spitzenmedizin ist Teamarbeit
Für Tobias Fuchs endet die Bildgebung nicht mit einer Diagnose. Sie bildet die Grundlage für viele Therapieentscheide. Und dabei sind viele Spezialistinnen und Spezialisten involviert. Er schätze es sehr, dass die Patientinnen und Patienten des KSA von einem renommierten Expertenteam profitieren, das alle Facetten der Kardiologie abdeckt – von der invasiven Kardiologie über die Rhythmologie und die Behandlung von Herzinsuffizienz bis hin zu interdisziplinär vernetzten kardiologischen Spezialsprechstunden und der Kardiorehabilitation, sagt der Chefarzt und betont: «Moderne Herzmedizin ist Teamarbeit, sowohl interdisziplinär als auch interprofessionell. Alle arbeiten gleichzeitig am gleichen Ziel. Erst wenn alle Informationen zusammenkommen, können wir entscheiden, welche Behandlung für die Patientin oder den Patienten die beste ist.»
Muss zum Beispiel eine Herzklappe behandelt werden, arbeiten mehrere Fachpersonen eng zusammen. Kardiologinnen und Kardiologen können mittlerweile bei dafür geeigneten Patienten eine undichte Mitralklappe kathetergestützt minimalinvasiv mittels eines Clips rekonstruieren; die Bildgebung liefert dabei laufend wichtige Informationen. Sie zeigt zum Beispiel, wo ein Clip genau platziert werden muss. Zudem lässt sich damit sofort prüfen, ob der Eingriff erfolgreich war. Auch bei Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche ist die Bildgebung wichtig – sowohl für die Ursachenfindung als auch für die Therapiesteuerung. Und auch in Notfällen kann sie rasch wichtige Hinweise liefern. Gerade im Notfall zählt jede Minute. Dann sind kurze Wege, eingespielte Teams und rasche Verfügbarkeit entscheidend (siehe Box).
Rund um die Uhr bereit
Herznotfälle kennen keinen Feierabend. Ob Herzinfarkt oder ein anderer akuter kardiologischer Notfall: Die Kardiologie des KSA ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für alle Patientinnen und Patienten da – auch bei komplexen und lebensbedrohlichen Erkrankungen. Dank der engen interdisziplinären und interprofessionellen Zusammenarbeit steht jederzeit die passende Expertise zur Verfügung. Von der raschen Abklärung bis zur komplexen Behandlung: Das KSA bietet eine vollumfassende kardiologische Notfallversorgung aus einer Hand – rund um die Uhr.
Die moderne Kardiologie arbeitet eng mit vielen Fachbereichen zusammen. Dazu zählen Innere Medizin, Notfallmedizin, Intensivmedizin und die Anästhesie. In der Bildgebung sind insbesondere die Radiologie und die Nuklearmedizin zu nennen. Nicht zu vergessen sind zudem die Neurologie, die Pneumologie, die Nephrologie, die Infektiologie, die Genetik, die Rheumatologie oder die Onkologie. «Jede Disziplin bringt ihr Wissen ein. Hierfür stehen interdisziplinäre Board-Besprechungen zur Verfügung. So können Patientinnen und Patienten gut und umfassend versorgt werden», sagt Fuchs. «Gute Medizin gelingt nur im Team!»
Dass er die Klinik und das Team bereits gut kennt, sieht Fuchs als grossen Vorteil: «Vertrauen kann man nicht verordnen», sagt er. «Es entsteht im Alltag. Genau dieses Vertrauen haben wir in den vergangenen Jahren aufgebaut.»
Anfang 2027 zieht die Kardiologie in den Neubau. Dort gibt es moderne Räume und neue Geräte. Dazu gehören neue Herzkatheterlabore sowie modernste Bildgebung und Patientenzimmer – beste Voraussetzungen für die Behandlung. Tobias Fuchs freut sich sehr darauf. Doch die Technik steht für ihn nicht im Mittelpunkt. «Die beste Technik nützt wenig, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert.» Entscheidend sei, dass alle Beteiligten dieselbe Haltung teilen: «Patientinnen und Patienten sollen im KSA jederzeit die bestmögliche Behandlung erhalten.»
Die interventionelle Kardiologie des KSA zählt im nationalen SwissCaRe-Register zu den Top 10.
Vorbeugen ist besser als behandeln
So gerne Tobias Fuchs über moderne Medizin spricht – am liebsten wäre ihm, wenn viele Menschen die Kardiologie gar nie als Notfall erleben müssten. «Der beste Herzinfarkt ist der, der gar nicht erst passiert», sagt der neue Chefarzt. Deshalb misst er der Prävention grosse Bedeutung bei.
Zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren zählen Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte und Bewegungsmangel. «Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen», sagt Fuchs. «Wer sich mediterran ernährt, häufiger zu Fuss geht, das Velo nutzt oder die Treppe statt des Lifts nimmt, tut seinem Herzen etwas Gutes.»
Für Tobias Fuchs gehört zur guten Medizin auch ein offenes Gespräch. Patientinnen und Patienten sollen verstehen, welche Möglichkeiten sie haben und weshalb eine bestimmte Behandlung empfohlen wird. Nicht immer gibt es nur eine richtige Lösung. Deshalb erklärt das Behandlungsteam die verschiedenen Optionen und trifft wichtige Entscheidungen gemeinsam mit den Betroffenen. Diesen partnerschaftlichen Ansatz möchte Tobias Fuchs auch als Chefarzt weiterführen. Das gilt für die Zusammenarbeit im eigenen Team ebenso wie für den Austausch mit Hausärztinnen und Hausärzten sowie zuweisenden Kardiologinnen und Kardiologen.
Was ihn in seiner neuen Aufgabe antreibt, fasst Tobias Fuchs in einem einfachen Satz zusammen, den er öfters sagt: «Allein kann niemand Spitzenmedizin machen.»
Andreas Krebs