Warum Abnehmmedikamente so unterschiedlich wirken
10. September 2026
Medikamente wie Semaglutid, bekannt unter den Handelsnamen Ozempic oder Wegovy, können Menschen mit Adipositas beim Abnehmen unterstützen. Doch nicht bei allen wirken sie gleich gut: Manche Menschen verlieren innerhalb eines Jahres 20 Prozent ihres Körpergewichts oder mehr. Andere nehmen nur wenig oder gar nicht ab. Warum diese Unterschiede bestehen, ist bisher noch nicht ausreichend geklärt.
Genau hier setzt die TRIM-Studie (Treatment Response to Incretin Mimetics) an. Sie untersucht Menschen mit Adipositas ohne Diabetes, die mit Semaglutid behandelt werden.
- Fachperson Dr. med. univ. Katja Fredriksson
- Lesedauer ca. 2 Minuten
Mehr als nur die Zahl auf der Waage
Die Forschenden möchten herausfinden, was Menschen mit einem starken Gewichtsverlust von jenen unterscheidet, bei denen die Behandlung weniger gut wirkt. Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Kilos jemand verliert. Wichtig ist auch, was der Körper abbaut: Wird vor allem Körperfett reduziert oder geht auch Muskelmasse verloren? Der Erhalt der Muskulatur ist für die Gesundheit langfristig besonders wichtig.
Die Studie untersucht zudem, ob sich die Gesundheit des Stoffwechsels durch die Behandlung verbessert – auch bei Menschen, die nur wenig Gewicht verlieren.
Eine zentrale Annahme der Studie ist, dass die sogenannte Insulinresistenz eine Rolle spielen könnte. Bei einer Insulinresistenz reagiert der Körper weniger gut auf das Hormon Insulin. Dadurch kann der Körper den Zucker im Blut schlechter regulieren. Die Forschenden vermuten: Je stärker die Insulinresistenz ausgeprägt ist, desto geringer könnte der Gewichtsverlust durch Semaglutid sein.
Um dies zu untersuchen, wird ein sogenannter Clamp-Test durchgeführt. Dieser Test gilt als besonders genaue Methode, um die Wirkung von Insulin im Körper zu messen. Dabei wird Insulin verabreicht und gleichzeitig genau bestimmt, wie viel Zucker notwendig ist, damit der Blutzuckerspiegel stabil bleibt.
Zusätzlich werden Blutproben untersucht und mit bildgebenden Verfahren die Fett- und Muskelmasse im Körper gemessen. Auch Veränderungen in einzelnen Zellen werden analysiert. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Fettgewebe direkt unter der Haut. Die Forschenden wollen herausfinden, wie sich dieses Gewebe durch die Behandlung und die Gewichtsabnahme verändert.
Verlauf des Projekts
Die Studie startete im März 2025. Da rasch genügend Teilnehmende gefunden werden konnten, lagen die Daten für die wichtigste Fragestellung bereits im Februar 2026 vor. Im August 2026 wurde die Datenerhebung abgeschlossen. Zurzeit werden die Gewebe- und Blutproben ausgewertet.
Im Verlauf der Studie kam ein freiwilliger dritter Untersuchungstermin hinzu. Der Grund dafür ist, dass noch wenig darüber bekannt ist, wie sich diese Medikamente langfristig auf die Muskelmasse auswirken. Auch das Unterhautfettgewebe wurde bisher bei Personen, die Semaglutid anwenden, kaum über mehrere Zeitpunkte hinweg untersucht.
Die Ergebnisse der TRIM-Studie sollen dazu beitragen, künftig besser vorherzusagen, welche Menschen besonders gut auf die Behandlung ansprechen. So könnte die Therapie mit Semaglutid in Zukunft noch gezielter auf die einzelnen Patientinnen und Patienten abgestimmt werden.