«Wir investieren heute in die Medizin von morgen»
20. Oktober 2026
Prof. Dr. med. Philipp Schütz verantwortet als Chief Research and Academic Officer (CRO) die Themen Forschung und akademische Weiterbildung am KSA und vertritt sie in der Geschäftsleitung. Gleichzeitig ist er als Chefarzt und Leiter der Medizinischen Universitätsklinik weiterhin eng mit dem klinischen Alltag verbunden. Im Interview spricht er darüber, wie das KSA Talente gezielt fördert, die Forschung stärkt und die Medizin von morgen aktiv mitgestaltet.
- Fachperson Prof. Dr. med. Philipp Schütz
- Lesedauer ca. 4 Minuten
Philipp, du verantwortest am KSA die Themen Forschung und akademische Weiterbildung. Warum haben diese Bereiche für unser Spital einen so hohen Stellenwert?
Forschung und Weiterbildung sind zwei zentrale Voraussetzungen dafür, dass wir auch in Zukunft Medizin auf Spitzenniveau anbieten können. Als Zentrumsspital behandeln wir nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern tragen auch Verantwortung dafür, dass genügend gut ausgebildete Fachpersonen nachkommen und sich die Medizin weiterentwickelt. Das gehört zu unserem Auftrag und zu unserem Anspruch. Dass diese Themen mit dem Bereich des Chief Research and Academic Officer (CRO) auch in der Geschäftsleitung vertreten sind, ist ein wichtiges Signal. Forschung und Weiterbildung sollen am KSA nicht irgendwo nebenher stattfinden, sondern strategisch verankert sein und gezielt weiterentwickelt werden.
Das KSA bildet mehr Ärztinnen und Ärzte weiter als jedes andere Spital im Kanton. Warum investieren wir bewusst so stark in die Weiterbildung?
Weiterbildung ist mit erheblichem Aufwand verbunden: Sie erfordert viel Zeit für Supervision und Teaching sowie eine enge Begleitung durch erfahrene Ärztinnen und Ärzte. Dennoch investieren wir bewusst in ihre Qualität, denn damit stärken wir langfristig die medizinische Versorgung. Wir bilden heute Fachärztinnen und Fachärzte aus, die morgen bei uns, in anderen Spitälern oder in Praxen im Kanton arbeiten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, dass auch in Zukunft genügend gut qualifizierte Ärztinnen und Ärzte für die Bevölkerung da sind.
Im Klinikalltag ist die Zeit oft knapp. Wie schafft man trotzdem Raum für gute Weiterbildung?
Weiterbildung darf nicht als Zusatz verstanden werden, sondern muss fester Bestandteil der täglichen Arbeit sein. Im Curriculum der Inneren Medizin haben wir dafür zum Beispiel klare Gefässe geschaffen – etwa strukturierte Weiterbildungen am Morgen, grössere Fortbildungsveranstaltungen oder Journal Clubs, in denen wir aktuelle Studien gemeinsam diskutieren.
Ein grosser Teil der Weiterbildung findet aber direkt im klinischen Alltag statt: auf Visiten, bei der Supervision oder im Austausch über einen konkreten Fall. Entscheidend ist die Haltung. Wir wollen Kaderärztinnen und Kaderärzte, die gerne Wissen weitergeben. Wer bei uns arbeitet, sollte Freude daran haben, andere weiterzubringen. Weiterbildung funktioniert dann gut, wenn sie Teil der Kultur ist und nicht nur in der Theorie existiert.
Neben der Weiterbildung ist Forschung ein zweiter strategischer Schwerpunkt. Was soll Forschung am KSA konkret bewirken?
Unsere Forschung ist klinisch und patientenorientiert. Sie soll nicht einfach zu Publikationen führen, sondern möglichst einen direkten Nutzen für Patientinnen und Patienten schaffen. Diese können dadurch zum Beispiel früh Zugang zu neuen Medikamenten oder Therapien in der Onkologie erhalten, die ausserhalb von Studien noch nicht verfügbar sind. Gleichzeitig hilft uns Forschung, bestehende Behandlungen kritisch zu überprüfen und neue Methoden zu entwickeln. Entscheidend ist, dass die Erkenntnisse am Ende wieder in die klinische Praxis zurückfliessen.
Was braucht es, damit aus einer guten Idee tatsächlich ein Forschungsprojekt wird?
Es braucht vor allem entsprechende Rahmenbedingungen. Forschung ist komplex – es braucht Know-how zu Methodik, Ethik, Statistik, Datenmanagement und Studiendurchführung. Mit dem General Research Office (GRO) haben Forschende am KSA eine zentrale Anlaufstelle, die sie bei solchen Fragen unterstützt. Mit dem Bezug des Dreiklangs werden die Forschungsaktivitäten zudem räumlich im Haus 3 stärker gebündelt. Dadurch entstehen zusätzliche Synergien: Forschende aus unterschiedlichen Kliniken können enger zusammenarbeiten, Erfahrungen austauschen und vorhandenes Wissen noch besser teilen.
Die Argovia-Professur verbindet das KSA eng mit der Universität Basel. Welche Bedeutung hat diese akademische Anbindung für unser Spital?
Die Argovia-Professur bringt die Universität ein Stück weit zu uns nach Aarau. Sie stärkt unseren akademischen Auftrag in Lehre und Forschung und ermöglicht es uns, wissenschaftliche Arbeiten und Dissertationen zu betreuen. Gleichzeitig hilft uns die enge Verbindung zur Universität, schon früh bei Medizinstudierenden präsent zu sein. Viele verlassen den Aargau für ihr Studium und bauen anderswo ihr berufliches Netzwerk auf. Umso wichtiger ist es, dass sie das KSA früh kennenlernen – etwa über die universitäre Lehre, Masterarbeiten oder auch Formate wie die Medical Summer School – und sehen, dass sie bei uns später klinisch auf hohem Niveau arbeiten und sich gleichzeitig wissenschaftlich weiterentwickeln können.
Die Argovia-Professur für Medizin ist eine gemeinsame Professur der Universität Basel und des Kantonsspitals Aarau. Sie verbindet universitäre Forschung und Lehre mit der klinischen Arbeit am KSA und verleiht der Medizinischen Universitätsklinik ihren universitären Status. Die Professur besteht seit 20210. Philipp Schütz ist designierter Inhaber der Professur.
Forschung soll am KSA auch zu Innovation führen. Was bedeutet das konkret?
Wir wollen Erkenntnisse aus unserer eigenen Forschung gezielt weiterentwickeln. Das kann zum Beispiel eine neue Methode, ein neues Verfahren oder eine andere konkrete Lösung für den klinischen Alltag sein. Mit dem Health Innovation Hub (HIH) haben wir dafür gemeinsam mit dem Kantonsspital Baden eine Plattform geschaffen. Baden fokussiert stärker darauf, externe Start-ups und neue Technologien ins Spital zu holen. Wir am KSA wollen insbesondere Innovationen, die aus unserer eigenen klinischen Forschung entstehen, aufnehmen, weiterentwickeln und in die Praxis bringen.
Du hast viele Rollen – CRO, Mitglied der Geschäftsleitung, Chefarzt, Forscher. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Patientinnen und Patienten?
Ja, aber natürlich weniger als bei jemandem, der voll klinisch tätig ist. All diese Aufgaben funktionieren nur, weil wir in den verschiedenen Bereichen mit starken Teams zusammenarbeiten. Meine Rolle ist deshalb auch, diese Teams zu führen und den Mitarbeitenden genügend Freiraum zu geben, damit sie Verantwortung übernehmen und eigene Ideen entwickeln können. Gleichzeitig ist mir wichtig, klinisch weiterhin präsent zu sein. Ich mache Visiten, Supervisionen und betreue auch Patientinnen und Patienten in der ambulanten Sprechstunde und im stationären Setting. Wenn man den klinischen Alltag nicht mehr selbst erlebt, diskutiert man irgendwann nur noch theoretisch darüber. Gerade in der Geschäftsleitung möchte ich deshalb den Bezug zur Basis nicht verlieren.
Zum Schluss: Was hast du zuletzt von einer jüngeren Kollegin oder einem jüngeren Kollegen gelernt?
Ich lerne laufend von jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Die Medizin entwickelt sich sehr schnell, und gerade bei neuen Medikamenten, Studien oder Indikationen haben jüngere Kolleginnen und Kollegen manches aktueller präsent als ich. Entscheidend ist für mich, dass wir diese Themen offen und auf Augenhöhe diskutieren können. Eine Chefarztposition bedeutet nicht automatisch, immer recht zu haben. Andere Einschätzungen sollen ausdrücklich eingebracht werden. Diese flachen Hierarchien und das gegenseitige Lernen sind für mich von grossem Wert.