Kaffeepause mit einer dipl. Rettungssanitäterin
6. Mai 2026
Das nachfolgende Interview wurde mit Fabienne Parrat, einer diplomierten Rettungssanitäterin der Rettung Aargau West, geführt. Ihre Laufbahn am KSA begann bereits 1996. Damals absolvierte sie die HF zur diplomierten Pflegefachfrau. Im Interview gewährt sie spannende Einblicke in ihren vielseitigen Berufsalltag, spricht über prägende Erfahrungen und erklärt, was den Rettungsdienst für sie so besonders macht.
- Fachperson KSA
- Lesedauer ca. 5 Minuten
"Was hat dich dazu bewegt, Dipl. Rettungssanitäterin zu werden – und was begeistert dich bis heute an diesem Beruf?"
Mein Weg begann ursprünglich in der Pflege. Mit 18 Jahren habe ich die vierjährige HF am KSA begonnen. Schon dort gab es immer wieder Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich mehr Verantwortung übernehmen und eigenständig Entscheidungen treffen möchte. Auf den Beruf aufmerksam wurde ich durch einen Freund, der selbst Rettungssanitäter war und mir den Beruf empfohlen hat. Der entscheidende Moment war dann ein Schnuppertag. Ab diesem Tag war ich Feuer und Flamme. Ein Jahr nach dem HF-Abschluss habe ich die Ausbildung zur Rettungssanitäterin begonnen.
Bis heute begeistert mich vor allem die enorme Vielseitigkeit des Berufs. Kein Einsatz ist wie der andere. Wir bringen die Medizin direkt zu den Patientinnen und Patienten und haben dabei einen grossen Handlungsspielraum. Genau diese Kombination aus Fachwissen, Eigenverantwortung und Abwechslung macht den Beruf für mich so besonders.
"Was hat dich während der Ausbildung besonders geprägt?"
Ich war die erste Frau an meinem damaligen Ausbildungsort. Eine sehr prägende, aber auch herausfordernde Zeit. Zu Beginn wurde ich oft unterschätzt, da man einer Frau diese Arbeit damals nicht zutraute. Es gab auch Momente, in denen ich ans Aufgeben dachte. Was mir geblieben ist, ist ein Satz meiner damaligen Chefin: "Wenn du jetzt aufgibst, machst du die Tür für alle weiteren Frauen zu." Das hat mir die Motivation gegeben, dranzubleiben. Irgendwann kam der Wendepunkt und ich konnte mein Umfeld von meinen Fähigkeiten überzeugen. Heute sind die Teams gut durchmischt, was wir als grosse Bereicherung betrachten.
"Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus – oder gibt es den gar nicht?"
Einen klassischen Arbeitstag gibt es nicht. Jede Schicht beginnt mit einem Rapport und der Kontrolle des Ambulanz-Fahrzeugs. Wir prüfen jedes Detail, von Medikamenten über Material bis hin zum Sauerstoff, alles muss jederzeit einsatzbereit sein. Sobald ein Alarm eingeht, zählt jede Minute. Wir werden parallel auf Pager und Handy alarmiert, analysieren die Einsatzinformationen und planen bereits auf der Anfahrt das Vorgehen. Dabei stellen wir uns ganz praktische Fragen: Wie kommen wir zum Einsatzort? Handelt es sich um einen Wald, einen Bahnhof oder einen Einsatz an der Aare? Vor Ort arbeiten wir immer mindestens zu zweit. Eine Person übernimmt die Rolle des Leaders, die andere fährt und assistiert. Doch wir denken beide mit und arbeiten als Team.
Was unseren Standort besonders macht, ist das vielseitige Einsatzgebiet. Wir erleben alles, von städtischen Einsätzen mit Partys und Drogen über Verkehrsunfälle bis hin zu ländlichen Situationen wie beispielsweise einem Bauernhofunfall. Diese Mischung ist extrem spannend und macht den Alltag unglaublich abwechslungsreich. Auch Verlegungen von Patientinnen und Patienten gehören regelmässig dazu.
"Rettungsdienst bedeutet Teamarbeit unter Hochdruck – wie erlebst du die Zusammenarbeit?"
Vertrauen ist das Fundament unserer Arbeit. Man muss sich auf sein Gegenüber genauso verlassen können wie auf sich selbst. Wir arbeiten sehr eng zusammen, meist 12 Stunden am Stück. Deshalb ist es entscheidend, dass die Abläufe eingespielt sind. Man kann es mit einem Formel-1-Boxenstopp vergleichen: Wenn das Auto kommt, weiss jeder genau, was zu tun ist. Dieses Vertrauen entsteht durch gemeinsame Weiterbildungen, Trainings und auch durch den persönlichen Austausch im Team.
Am KSA schätze ich besonders die familiäre Kultur. Egal, wo ich unterwegs bin, werde ich gegrüsst, unterstützt und ernst genommen. Man spürt, dass alle Berufsgruppen zusammenarbeiten und dasselbe Ziel verfolgen.
"Du erlebst auch schwierige Situationen – wie gehst du persönlich damit um?"
Mit der Zeit entwickelt man eigene Strategien. Für mich beginnt das Abschalten bereits nach der Schicht: Ich ziehe meine Dienstkleidung aus und lasse damit bewusst auch meine Rolle als Rettungssanitäterin zurück. Es gibt Einsätze, die einen stärker beschäftigen, vor allem wenn sie einen persönlich berühren. Seit ich selbst Kinder habe, sind beispielsweise Kindernotfälle für mich emotional herausfordernder geworden. Wichtig ist, dass man sich erlaubt, solche Gefühle zuzulassen. Genau das leben wir auch im Team: Wir sprechen darüber und unterstützen uns gegenseitig.
Mir persönlich hilft ein aktiver Ausgleich sehr. Ich mache viel Sport und arbeite nebenberuflich als Tanzlehrerin. Mit meinem Projekt "CareDance" verbinde ich sogar meine beiden Berufe und begleite Menschen mit neurologischen Erkrankungen tänzerisch. Bei der Rettung Aargau West haben wir zudem ein Peer-System, eine Art Care-Team für das Team, das ist unglaublich wertvoll. Ich selbst bin auch Teil davon.
"Was sollten Interessierte für den Beruf mitbringen – und was wird oft unterschätzt?"
Neben fachlichem Interesse braucht es vor allem soziale Kompetenz, Empathie und die Fähigkeit, vernetzt zu denken. Wir müssen in kürzester Zeit komplexe Situationen erfassen und Entscheidungen treffen. Was viele unterschätzen: Wir bringen die Medizin direkt zu den Patientinnen und Patienten. Unser Handlungsspielraum sowie unser Wissen sind sehr gross. Gleichzeitig ist das Einsatzspektrum extrem breit. Vom Einsatz im Altersheim bis hin zur Begleitung einer Geburt. Auch die körperliche und psychische Belastung wird oft unterschätzt. Zudem sollte man kein Problem damit haben, auch mal rückwärts im Fahrzeug zu sitzen, ohne dass einem dabei übel wird.
Die Ausbildung ist anspruchsvoll, besonders für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, da man sich eine komplett neue Fachsprache und viel medizinisches Wissen aneignen muss. Sie ist aber absolut machbar.
"Welchen Rat würdest du jemandem geben, der diesen Weg einschlagen möchte?"
Das ist ein Beruf, den man mit Herzblut ausüben sollte. Es gibt nicht viele Ausbildungsplätze, aber wenn die Motivation stimmt und man wirklich dafür brennt, lohnt sich dieser Weg. Es ist ein Beruf, der unglaublich viel zurückgibt: fachlich, menschlich und persönlich.
Möchten auch Sie Teil der Rettung Aargau West werden und eine vielseitige Ausbildung absolvieren?
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