Knie: Schmerzfrei dank zweistufiger Therapie
23. Januar 2026
Nach Jahren mit Schmerzen und einer erfolglosen Operation fand Nico Ü. im KSA endlich die Ursache seiner Knieprobleme: eine komplexe Kombination aus Instabilität und Meniskusverlust. Ein zweistufiger Eingriff gab ihm zurück, was er kaum mehr kannte: ein schmerzfreies Knie.
- Fachperson Prof. Dr. med. Atesch Ateschrang
- Lesedauer ca. 10 Minuten
Als Nico Ü. 2018 beim Fussballspielen sein Kreuzband riss, glaubte er lange, das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Vier Jahre stemmte er Gewichte, baute Muskulatur auf, ignorierte Signale seines Körpers. «Ich dachte, ich kann das mit Training kompensieren », sagt der heute 30‑Jährige.
Doch die Rechnung ging nicht auf: Der fehlende Halt im Knie belastete den Aussenmeniskus, bis dieser schliesslich ebenfalls Schaden nahm. Ab 2022 hatte Nico Ü. täglich Schmerzen. Beim Gehen, Arbeiten, sogar wenn er sich nicht bewegte.
Bei der ersten Operation wurden beschädigte Teile von Kreuzband und Meniskus entfernt. Doch die Beschwerden blieben. «Ein Jahr nach der ersten Operation war es keinen Deut besser», erinnert er sich. «Ich war ständig eingeschränkt und als Elektriker im Aussendienst brauche ich ein verlässliches Knie.»
Warum die erste Operation nicht reichte
Als der Fall ins KSA überwiesen wurde, übernahm das Team um Prof. Dr. med. Atesch Ateschrang, Chefarzt Orthopädie und Traumatologie. Schnell zeigte sich, dass die ursprüngliche Verletzung komplexer war als angenommen. «Bei Herrn Ü. lag eine Kombination aus Restinstabilität nach dem Kreuzbandersatz und einem erheblichen Meniskusverlust vor», erklärt Ateschrang.
Gerade der Aussenmeniskus spielt eine zentrale Rolle. Er vergrössert die Kontaktfläche zwischen Oberschenkel und Schienbeinkopf. «Besteht ein Meniskusverlust, führt dies zu erhöhtem Druck sowie weiteren Knorpelschäden. Diese Situation bezeichnen wir auch als Meniskusverlustschmerzen », so der Experte. Hinzu kam: Die vorhandenen Bohrkanäle aus der ersten Operation waren zu gross, um simultan ein neues Kreuzband stabil zu verankern. «In solchen Fällen ist eine zweistufige Behandlung Standard.»
Gründliche Abklärung statt Schnellentscheid
Im KSA begann die Diagnostik deshalb erneut bei null. Klinische Tests, spezialisierte Bildgebung und die Analyse möglicher Begleitverletzungen lieferten das Gesamtbild. «Wir arbeiten mit einer klar strukturierten Checkliste und untersuchen jedes Knie nach demselben algorithmischen Vorgehen», sagt Ateschrang. «Dazu gehören auch Achsabweichungen oder knöcherne Faktoren, die eine Rekonstruktion beeinträchtigen können.»
Für Nico Ü. war diese Sorgfalt ein Wendepunkt. «Ich fühlte mich von Anfang an gut aufgehoben. Endlich hatte ich das Gefühl, dass man wirklich verstand, woher meine Schmerzen kamen.»
3 Fragen an Atesch Ateschrang
Welche Untersuchungen sind bei Knieproblemen nötig – und wann ist eine MRT sinnvoll?
Am Anfang steht immer eine gründliche ärztliche Untersuchung des Knies. Danach ist die Röntgenaufnahme in der Regel die erste und wichtigste bildgebende Untersuchung. Je nach Befund kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Eine MRT wird eingesetzt, wenn der Verdacht auf Knorpel- oder Meniskusschäden besteht, bei akuten Knieverletzungen oder wenn das Knie wegen Schmerzen nur eingeschränkt untersucht werden kann. Zudem zeigt sie Bandverletzungen sowie Knochenverletzungen oder Prellungen, die im Röntgenbild oft nicht sichtbar sind.
Für wen ist eine Meniskustransplantation sinnvoll – und wann raten Sie davon ab?
Eine Meniskustransplantation kommt vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Knieschmerzen nach Meniskusverlust infrage. In der Regel kann man bis etwa zum 50. Lebensjahr über den Eingriff nachdenken. Wichtig ist, dass der Knorpel im Knie noch gut erhalten ist und keine ausgeprägten Fehlstellungen der Beine (O- oder X‑Beine) bestehen und keine Instabilitäten vorliegen. Der Eingriff ist nicht geeignet bei starkem Übergewicht, Rauchen oder Diabetes, da diese Faktoren die Einheilung des Transplantats verschlechtern können.
Eine Meniskustransplantation sollte nur in einem spezialisierten Knie- oder Gelenkzentrum durchgeführt werden, da hierfür viel Erfahrung erforderlich ist.
Ganz generell: Was kann man selbst tun, um die Kniegelenke langfristig gesund zu halten?
Entscheidend sind regelmässige Bewegung und eine gute Gewichtskontrolle. Treten nach Verletzungen Instabilitäten im Knie auf, sollte man sich von einer Spezialistin oder einem Spezialisten beraten lassen. Knöcherne Fehlstellungen der Beine, also Abweichungen der Beinachse oder eine Verdrehung der Knochen, sollten mittel- bis langfristig berücksichtigt werden. Eine konsequente Behandlung dieser biomechanischen Probleme ist entscheidend, um die Kniegelenke langfristig gesund zu erhalten.
Schmerzfrei in zwei Etappen
Das Ärzteteam empfahl ein zweistufiges Vorgehen: Zuerst sollten die alten Bohrkanäle mit Spenderknochen aufgefüllt werden. Anschliessend sollte der fehlende Aussenmeniskus durch ein passgenaues Meniskus-Transplantat ersetzt werden.
Die Operation im März 2025 wurde für Nico Ü. zur emotionalen Zäsur. «Einen Tag nach dem Eingriff hatte ich keine Schmerzen mehr. Das war unglaublich. » Die ersten Wochen nach der Meniskustransplantation waren streng: Bein hochlagern, Bewegungswinkel einhalten, Geduld üben. Doch der Verlauf war stabil, das Transplantat heilte ein, die Schmerzen blieben weg. «Ich konnte Bewegungen machen, die vorher unmöglich gewesen waren. Das waren pure Glücksgefühle.»
Nach acht Monaten folgte die zweite Operation: ein neuer Kreuzbandersatz mit zusätzlicher Rotationsstabilisierung. «Wenn man diese Schritte sauber trennt, schafft man optimale Voraussetzungen für die langfristige Stabilität », erklärt Ateschrang.
Rehabilitation und ein realistischer Blick nach vorn
Nico Ü. begann früh mit der Physiotherapie. «Mein Physiotherapeut kennt mich schon lange, auch von früheren Verletzungen. Er hat mich perfekt begleitet.» Die Muskulatur aus dem Krafttraining half zusätzlich. Heute lebt Nico Ü. schmerzfrei. Kraftsport ist wieder möglich, Fussball und Tennis meidet er bewusst. «Ich will das Risiko einfach nicht eingehen, dass der Schmerz wieder zurückkommt.» Für Ateschrang ist genau dieses Bewusstsein wichtig: «Ein komplexes Knie braucht nicht nur chirurgische Expertise, sondern auch eine realistische Planung der Belastung im Alltag und beim Sport.»
Damit Sie in Bewegung bleiben
Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Verletzungen können den Alltag stark beeinträchtigen. In unserer Klinik für Orthopädie und Traumatologie begleiten wir Menschen auf dem Weg zurück zu mehr Beweglichkeit und Lebensqualität.
Wir klären Beschwerden und Verletzungen des gesamten Bewegungsapparats ab – von der Schulter und dem Rücken über die Hüfte und das Knie bis zum Fuss. Unser Leistungsangebot reicht von konservativen Therapien über moderne operative Eingriffe bis hin zum Gelenksersatz mit Implantaten. Auch bei akuten Verletzungen und Unfallfolgen sind wir für Betroffene da.
Wenn eine Knieoperation nicht hilft
Viele Patientinnen und Patienten hoffen nach einer Operation auf schnelle Besserung. Bleiben Schmerzen oder Instabilität bestehen, muss abgeklärt werden, ob Meniskus, Knorpel, Bänder oder die Beinachse betroffen sind oder eine Kombination davon.
«Es gibt viele Szenarien: von Verklebungen über Instabilitäten bis hin zu neuropathischen Schmerzen», sagt Ateschrang. «Wichtig ist, die Ursache präzise zu identifizieren. Nur dann kann man wirksam behandeln.» Genau dafür gibt es am KSA eine spezialisierte Knie-Sprechstunde – auch für Zweitmeinungen.
Wenn Nico Ü. heute arbeitet, trainiert oder einfach eine Treppe hinuntergeht, erinnert ihn kaum noch etwas an die Jahre mit Schmerzen. «Ich bin wahnsinnig froh, dass ich diese Operationen gewagt habe», sagt er. «Ohne das Team im KSA wäre ich heute nicht da, wo ich bin.»