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    «Chirurgie ist heute Teamarbeit»

    14. April 2026

    Wie moderne Chirurgie im Kantonsspital Aarau (KSA) neu gedacht wird, erklärt der neue Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, PD Dr. med. Dr. sc. nat. Perparim Limani.

    • Fachperson PD Dr. Dr. med. Perparim Limani
    • Lesedauer ca. 10 Minuten
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    Die Chirurgie hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was früher oft als Leistung einzelner Ärztinnen und Ärzte wahrgenommen wurde, ist heute das Ergebnis enger Zusammenarbeit. Viele Fachpersonen bringen ihr Wissen ein. Sie stimmen sich ab, treffen gemeinsam Entscheide und begleiten Patientinnen und Patienten durch alle Phasen der Behandlung.

    Diese Entwicklung prägt auch die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des KSA. Seit Ende 2025 wird sie von PD Dr. med. Dr. sc. nat. Perparim Limani geleitet. Er bringt nicht nur Erfahrung aus der universitären Spitzenmedizin im In- und Ausland mit, sondern auch eine klare Vorstellung davon, wie moderne Chirurgie organisiert sein muss. Im Gespräch wird schnell klar, dass für ihn nicht die einzelne Person im Vordergrund steht – ein «Starchirurg» oder «Gott in Weiss» –, sondern das Zusammenspiel vieler. «Die Zeiten des Einzelkämpfers sind vorbei», sagt er. «Chirurgie ist heute Teamarbeit – und zwar auf höchstem Niveau. Nur als Team können wir die beste Qualität erreichen.»

    PD Dr. med. Dr. sc. nat. Perparim Limani. ©Andrea Zahler / CH Media
    PD Dr. med. Dr. sc. nat. Perparim Limani. ©Andrea Zahler / CH Media

    Vor seinem Wechsel nach Aarau war Limani am Universitätsspital Zürich tätig. Dort arbeitete er vor allem in der onkologischen Viszeralchirurgie und in der robotergestützten Chirurgie. Zudem war er am University of Texas MD Anderson Cancer Center tätig, einer der grössten Krebskliniken weltweit. Diese Erfahrungen prägen seinen Blick auf das KSA: «Mein Ziel ist es, die bereits hohe Qualität weiterzuentwickeln. » So hat er innert kürzester Zeit vier Innovationen eingeführt: robotergestützte Operationen an Leber und Bauchspeicheldrüse, eine neue Methode der Leberresektion und die sogenannte HIPEC-Therapie bei Peritonealkarzinose. Dabei wird nach der Entfernung eines Tumors die Bauchhöhle erwärmt und lokal mit Chemotherapeutika gespült. Ziel ist es, auch kleinste, nicht sichtbare Tumorzellen zu zerstören. 

    «Sämtliche Neuerungen wurden vom ganzen Team sehr gut mitgetragen», freut sich Limani. Das sei nicht selbstverständlich. Aber am KSA sei man offen für Veränderungen. «Das gefällt mir sehr gut. Die Aufbruchstimmung, die hier herrscht, ist sehr positiv.»

    Moderne Methoden gezielt einsetzen

    Erkrankungen im Bauchraum sind oft komplex, und häufig sind mehrere Organe betroffen. Deshalb arbeiten am KSA verschiedene Fachrichtungen eng zusammen. Dazu gehören unter anderem Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie und Gastroenterologie. Die Teams tauschen sich regelmässig aus und planen die Behandlung gemeinsam. Ein wichtiger Teil davon sind die Tumorboards. Dort besprechen Fachpersonen jeden einzelnen Fall. Sie prüfen die Situation und entscheiden zusammen, welche Therapie am besten passt. So entsteht ein klares und abgestimmtes Vorgehen. Das gibt Sicherheit und hilft den Patientinnen und Patienten, die nächsten Schritte gut zu verstehen und mitzutragen.

    Die Chirurgie hat sich auch technisch stark weiterentwickelt. Minimalinvasive Eingriffe – teilweise mittels Roboter – spielen eine wichtige Rolle. Sie kommen mit kleinen Schnitten aus. Das schont den Körper. Viele Patientinnen und Patienten erholen sich schneller und können früher nach Hause. Gleichzeitig gilt: Neue Technik wird nicht automatisch eingesetzt. Jede Methode wird sorgfältig geprüft. «Entscheidend ist immer der Nutzen für die Patientinnen und Patienten», sagt Limani. «Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch medizinisch sinnvoll.»

    Am KSA wird Qualität systematisch gemessen und weiterentwickelt. Dazu gehören klassische Kennzahlen wie Komplikationsraten oder die Dauer des Spitalaufenthalts. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten. Wie erleben sie ihre Behandlung? Wie geht es ihnen nach dem Eingriff? Solche sogenannten PROMs (Patient-Reported Outcome Measures) geben wichtige Hinweise. Sie zeigen, ob medizinische Ziele und die Erwartungen der Patientinnen und Patienten übereinstimmen.

    Behandlungsschwerpunkte Bauchchirurgie KSA

    • Darmtumoren (Blinddarm-, Dünndarm- und Dickdarmkrebs einschliesslich Mastdarm- und Enddarmkrebs)
    • Gut- und bösartige Tumoren der Leber, Milz, Gallenwege und Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
    • Tumoren der Speiseröhre und des Magens
    • Minimalinvasive robotische Chirurgie des Dickdarms, Mastdarms inkl. Beckenboden sowie bei Stuhlinkontinenz
    • Minimalinvasive robotisch-chirurgische Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit
    • Minimalinvasive robotisch-chirurgische Behandlung von Übergewicht (Adipositas)
    • Offene oder minimalinvasive robotische Hernienchirurgie (Leisten-, Nabel-, Bauchwand- und Narbenbruchoperationen)
    • Minimalinvasive Operationen bei Problemen der Gallenblase (Steine, Polypen, Tumoren)

    Der Mensch steht im Mittelpunkt

    Bei aller Technik verliert Limani eines nicht aus den Augen: den Menschen. «Jede Patientin und jeder Patient ist anders», sagt er. «Deshalb gibt es keine Standardlösung, die für alle passt.» Zwar seien Leitlinien und Standards wichtig, doch die Behandlung müsse immer individuell angepasst werden. So sei manchmal eine Operation technisch möglich, aber nicht sinnvoll. «In solchen Fällen suchen wir gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen nach der besten Lösung. Ziel ist nicht nur ein längeres Leben, sondern auch eine gute Lebensqualität.»

    Wichtig sei deshalb auch die Begleitung nach dem Eingriff. Denn moderne Chirurgie ende nicht mit der Operation: «Der Eingriff ist nur ein Teil des Genesungsweges», erklärt Limani. «Genauso wichtig ist, wie es danach weitergeht.» Auch da sei eine klare Kommunikation gefordert: «Unsere Patientinnen und Patienten sollen jederzeit wissen, wie es mit ihnen weitergeht.»

    Und wie geht es mit Limanis Klinik weiter? Ein wesentliches Merkmal des KSA sei die enge Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg, sagt er: «Verschiedene Disziplinen arbeiten Hand in Hand. Auch mit Partner- und Universitätsspitälern besteht ein reger Austausch. Für die Zukunft ist geplant, diese Zusammenarbeit weiter zu stärken.» Mit dem Bezug des Neubaus «Dreiklang » im kommenden Jahr werden verschiedene Fachbereiche räumlich näher beieinander sein. Das erleichtert die Abstimmung und verkürzt Wege – sowohl für das Personal als auch für die Patientinnen und Patienten.

    Am Ende aller Bemühungen stehe ein klares Ziel: «Die bestmögliche Versorgung für die Menschen im Kanton Aargau.» Der neue Chefarzt bringt dafür wichtige Impulse. Doch entscheidend ist das Zusammenspiel aller Beteiligten. So entsteht eine Medizin, die sich ständig weiterentwickelt – Schritt für Schritt. Oder in den Worten von Perparim Limani: «Wir wollen nicht nur gut sein, sondern jeden Tag ein wenig besser werden.»

    Fachsymposium «Onkologische Chirurgie:

    HIPEC bei Peritonealkarzinose ». 21. Mai 2026, 15.30–18.30 Uhr, KSA Haus 99 / «time out». Anmeldung bis 15. Mai an viszeralchirurgie@ksa.ch. Zuweisungen, Termine und Veranstaltungen auf www.ksa.ch/avc

    Autor

    Andreas Krebs