«Ich kann mir vorstellen, einmal Hausarzt zu werden»
9. April 2026
Sechs Monate Hausarztpraxis statt Spitalalltag: Das neue Programm PraxisassistenzPlus bietet angehenden Internistinnen und Internisten die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen in der ambulanten Medizin zu sammeln. Pascal Knecht ist der erste Assistenzarzt am KSA, der sich für diese Hausarztrotation entschieden hat. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.
- Fachperson Dr. med. Lukas Horat
- Lesedauer ca. 10 Minuten
Wie lange arbeitest du schon am KSA und welche Stationen hast du bisher durchlaufen?
Nach dem Medizinstudium habe ich zunächst in einer grossen geriatrischen Klinik in Bern gearbeitet. Danach bin ich ans KSA gewechselt: zuerst auf den Notfall, anschliessend für ein Jahr in die Innere Medizin. Im Oktober 2025 habe ich dann die Praxisassistenz begonnen.
Warum hast du dich für eine Rotation in einer Hausarztpraxis entschieden?
Für mich ist die Hausarztmedizin langfristig durchaus eine Option. Deshalb war für mich klar, dass ich diese Erfahrung einmal machen möchte.
Ursprünglich war geplant, dass ich zwei Jahre auf der Inneren Medizin arbeite. Dann hat sich aber die Möglichkeit für die Rotation in die Hausarztpraxis ergeben. Andernfalls hätte ich mir selbst eine Praxisstelle suchen müssen.
Was unterscheidet die Arbeit in einer Hausarztpraxis von der Arbeit im Spital?
Der Tagesablauf ist ganz anders. Im Spital steht die stationäre Visite im Vordergrund, danach werden Berichte geschrieben, Anmeldungen ausgefüllt und der Austausch mit Spezialistinnen und Spezialisten geführt.
In der Praxis ist der Alltag hingegen in Sprechstunden gegliedert. Eine wichtige Aufgabe ist dabei die Triage: Man ist eine Art Gatekeeper und muss innert kurzer Zeit einschätzen können, ob hinter den Symptomen etwas Gefährliches steckt. Hausärztinnen und Hausärzte haben ein sehr breites medizinisches Wissen. Gleichzeitig habe ich in der Praxis gelernt, dass man nicht alles wissen kann – und auch nicht muss.
Was hast du in der Praxis gelernt, das im Spital weniger im Fokus steht?
Meiner Meinung nach ist das Feedback der Patientinnen und Patienten in der Praxis direkter. Es funktioniert zwischenmenschlich nicht mit jeder Person gleich gut. Ich musste erst lernen, damit umzugehen und mich auch abzugrenzen. Aufgrund der vielen Gespräche habe ich auf jeden Fall viel über mich selbst gelernt.
Ich konnte ausserdem viel Erfahrung in der Anamnese, der klinischen Untersuchung und der Diagnostik sammeln. In der Praxis trifft man viele Entscheidungen selbständig. Bei Fragen steht zwar immer ein Supervisor zur Verfügung, dennoch übernimmt man früh Verantwortung.
Wie sah dein Arbeitsalltag in der Praxis konkret aus?
Ich führte eigene Sprechstunden, wie die anderen Ärztinnen und Ärzte auch. Am Anfang hatte ich pro Patientin oder Patient etwa eine Stunde Zeit. Mit der Zeit wurde ich schneller und konnte mir meine Zeit selbst einteilen. Sehr hilfreich war, dass ich Konsultationen bei Bedarf verlängern oder verkürzen konnte. Für mich war das ein guter Mix: Ich hatte viel Freiheit und konnte mich schrittweise weiterentwickeln.
Mit der Zeit entwickelt man Routine, zum Beispiel bei häufigen Beschwerden wie Rückenschmerzen, chronischem Husten oder Müdigkeit. Man wird schneller in der Anamnese, weiss genauer, worauf man achten muss, und kann Gespräche gezielter führen.
Nach sechs Monaten ist deine Rotationszeit nun zu Ende. Was nimmst du mit?
In der Praxis verbringt man mehr Zeit im Austausch mit Patientinnen und Patienten, die Betreuung ist oft individuell und über eine längere Zeit. Das habe ich sehr geschätzt. Die Rotation hat meinen Horizont erweitert und mein Verständnis für die ambulante Medizin gestärkt. Gleichzeitig hat sie mir geholfen zu erkennen, in welchen fachlichen Bereichen ich mich künftig weiter spezialisieren möchte.
Diese Erfahrung ist eine wertvolle Bereicherung für meinen persönlichen und fachlichen Rucksack. Ich würde die Rotation auf jeden Fall auch anderen Kolleginnen und Kollegen empfehlen.
PraxisassistenzPlus – Teil des Aarauer Curriculums
Die Allgemeine Innere und Hausarztmedizin (AIM) am KSA integriert seit 2025 als erste Aargauer Klinik eine Rotation in eine Hausarztpraxis in das Weiterbildungscurriculum ihrer Assistenzärztinnen und Assistenzärzte. So wird die internistische Weiterbildung am KSA um eine weitere Facette reicher und ermöglicht eine noch breitere Ausbildung als bisher. Ermöglicht wird dies auch durch die kantonale Mitfinanzierung zur Förderung der Hausarztmedizin. Die Partnerpraxen bieten ein langjähriges, ausserordentliches Engagement in der Weiterbildung von jungen Kolleginnen und Kollegen. Sowohl künftige Hausärztinnen und Hausärzte, aber auch angehende Spitalinternistinnen und –internisten können so während 6 Monaten von wertvollen Erfahrungen für die weitere berufliche Karriere profitieren.
Details zur Praxisassistenz und auch weiteren Rotationsmöglichkeiten im Rahmen des Hausarztcurriculums finden sich auf der KSA-Webseite. Dr. med. Lukas Horat, Oberarzt mbF AIM und Dr. med. Dominik Weber, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hausarzt im Ärztezentrum Buchs AG stehen als Hausarztmentoren bei Fragen gerne zur Verfügung.