Unruhestifter im Kiefer: Warum Weisheitszähne häufig entfernt werden
17. Juni 2026
Sie wachsen ganz hinten im Kiefer und bleiben oft lange Zeit unbemerkt, bis sie plötzlich Beschwerden verursachen. Weisheitszähne beschäftigen früher oder später viele Menschen. Ihre operative Entfernung gehört heute zu den häufigsten Eingriffen in der Zahnmedizin.
- Fachperson Dr. med. Dr. med. dent. Branko Harnik
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Weisheitszähne sind die letzten Backenzähne, die im Ober- und Unterkiefer durchbrechen. Bei vielen Menschen reicht der Platz im Kiefer jedoch nicht aus, damit sie sich normal entwickeln können. Die Folge: Sie wachsen schief, brechen nur teilweise durch oder bleiben vollständig im Kieferknochen eingeschlossen.
«Viele Patientinnen und Patienten kommen erst dann in die Sprechstunde, wenn die Weisheitszähne bereits Beschwerden verursachen. Dabei lassen sich mögliche Risiken oft schon früh erkennen und beurteilen», sagt Dr. med. Dr. med. dent. Branko Harnik, Facharzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Kantonsspitals Aarau.
Dass Weisheitszähne heute so häufig Schwierigkeiten bereiten, hängt mit der menschlichen Entwicklung zusammen. Während die zusätzlichen Backenzähne für unsere Vorfahren beim Kauen harter Nahrung noch nützlich waren, bieten die vergleichsweise kleineren Kiefer der Menschen von heute oft nicht mehr genügend Platz für sie.
Wann ist eine Entfernung sinnvoll?
Nicht jeder Weisheitszahn muss entfernt werden. Liegen die Zähne gerade, haben genügend Platz im Kiefer und verursachen keine Beschwerden, können sie in der Regel belassen werden. Regelmässige zahnärztliche Kontrollen sind jedoch wichtig.
Anders sieht es aus, wenn Weisheitszähne Entzündungen, Schmerzen oder Schwellungen verursachen. Auch wenn sie benachbarte Zähne schädigen, die Zahnpflege erschweren oder vollständig im Kieferknochen eingeschlossen bleiben, kann eine operative Entfernung empfohlen werden. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und mögliche Komplikationen langfristig zu vermeiden.
Vor der Operation: Die genaue Planung
Vor einer Operation wird die Lage der Weisheitszähne mithilfe von Röntgenaufnahmen genau beurteilt. So lässt sich erkennen, wie die Zähne im Verhältnis zu wichtigen anatomischen Strukturen wie dem Unterkiefernerv oder der Kieferhöhle liegen. «Eine sorgfältige Planung ist die Grundlage für einen sicheren Eingriff. Mithilfe moderner Bildgebung können wir die Lage der Weisheitszähne genau beurteilen und mögliche Risiken frühzeitig erkennen», erklärt Dr. Harnik. In bestimmten Fällen kann ergänzend eine dreidimensionale Bildgebung sinnvoll sein.
Dr. med. Dr. med. dent. Branko Harnik, Facharzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
So läuft die Weisheitszahn-Operation ab
Die Operation erfolgt in der Regel unter Lokalanästhesie. Je nach Ausgangslage und den Bedürfnissen der Patientin oder des Patienten kann sie auch in Sedierung (Medikamente zur Beruhigung) oder unter Vollnarkose durchgeführt werden. Über einen kleinen Schnitt im Zahnfleisch wird der Weisheitszahn freigelegt und anschliessend schonend entfernt. In manchen Fällen muss der Zahn dafür in mehrere Teile getrennt werden. «Sind bereits Entzündungen oder Zysten entstanden, können wir diese im Rahmen des Eingriffs gleich mitbehandeln», erklärt Dr. Harnik. Zum Abschluss wird die Wunde mit wenigen Nähten verschlossen.
Nach der Operation sind leichte bis moderate Schwellungen und Schmerzen normal. Kühlung, körperliche Schonung und die vom Behandlungsteam empfohlenen Schmerzmittel helfen, die Beschwerden zu lindern. Auf Rauchen, körperliche Anstrengungen sowie sehr heisse Speisen und Getränke sollte in den ersten Tagen verzichtet werden.
Eine Nachkontrolle stellt sicher, dass die Wunde gut verheilt. Die Fäden werden in der Regel nach etwa einer Woche entfernt. Viele Patientinnen und Patienten können bereits nach wenigen Tagen wieder zur Arbeit oder in die Schule zurückkehren.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Entfernung?
Der optimale Zeitpunkt für die Entfernung von Weisheitszähnen liegt zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt ist die Entwicklung der Zahnwurzeln oft noch nicht vollständig abgeschlossen und der Kieferknochen weist eine gute Heilungsfähigkeit auf.
Wer übernimmt die Kosten?
Die Entfernung von Weisheitszähnen wird in der Regel nicht von der obligatorischen Krankenkasse übernommen, kann jedoch teilweise durch eine Zusatzversicherung gedeckt werden.
Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist nur in bestimmten Fällen möglich, beispielsweise wenn Weisheitszähne tief im Kieferknochen liegen oder gesundheitliche Probleme verursachen können. Dies wird individuell mittels klinischer Untersuchung und Bildgebung beurteilt.
Frühzeitig abklären, langfristig profitieren
Die operative Entfernung von Weisheitszähnen gehört heute zu den Routineeingriffen in der Zahnmedizin. Dank moderner Bildgebung, schonender Operationsverfahren und einer sorgfältigen Nachsorge lässt sich die Behandlung in den meisten Fällen gut planen und sicher durchführen. Wer Beschwerden frühzeitig abklären lässt, kann mögliche Komplikationen vermeiden und seine Mundgesundheit langfristig unterstützen.