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    Wenn die MedPol ermittelt

    18. Mai 2026

    Plötzlich hohes Fieber, Gliederschmerzen und starke Müdigkeit und das immer wieder in Schüben: Wenn Symptome viele Fragen aufwerfen, beginnt in der Medizinischen Poliklinik (MedPol) des KSA die systematische Suche nach der Ursache.

    • Fachperson Dr. med. Sebastian Haubitz
    • Lesedauer ca. 8 Minuten
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    Katja M. erlebt seit einigen Monaten immer wieder das Gleiche: Plötzlich hohes Fieber, dazu kommen Gliederschmerzen und starke Müdigkeit. Nach wenigen Tagen klingt alles wieder ab – bis der nächste Schub einsetzt. Weil die Fieberschübe immer wieder auftreten, überweist ihre Hausärztin sie zur Abklärung an die Medizinische Poliklinik (s. Infobox) am KSA.

    MedPol – Medizinische Poliklinik

    Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten mit unklaren oder komplexen Beschwerden. Die MedPol koordiniert Abklärungen, bindet Spezialdisziplinen gezielt ein und nutzt die gesamte Spitaldiagnostik ambulant. Als verlängerter Arm der Hausärztinnen und Hausärzte sorgt sie für eine strukturierte Behandlungsstrategie.

    In der MedPol wird der Fall systematisch angegangen. Häufige und potenziell gefährliche Ursachen – etwa eine Blutkrebserkrankung, Schilddrüsenstörung oder Herzklappenentzündung – werden bei der Patientin zuerst ausgeschlossen. Es folgen Ultraschall- und CT-Untersuchungen sowie erweiterte Laboranalysen. Unauffällige Untersuchungsergebnisse beruhigen zwar, doch die Ursache bleibt weiterhin unklar.

    Während einer weiteren Fieberepisode wird Katja M. erneut in der MedPol untersucht. Eine PET-CT soll versteckte Entzündungsherde oder Tumoren aufspüren. Zwar zeigen sich einzelne Auffälligkeiten, doch ein Krebs oder eine andere bösartige Erkrankung lässt sich ausschliessen – eine grosse Erleichterung für Katja M.

    PET-CT

    Die Positronen-Emissions-Tomografie kombiniert mit einer Computertomografie macht Stoffwechselaktivität im Körper sichtbar. Entzündungen, versteckte Infektionsherde oder Tumoren können so erkannt und in ihrer Ausdehnung eingeschätzt werden.

    Gleichzeitig verschlechtert sich die Nierenfunktion, weshalb zusätzliche Untersuchungen folgen. Knochenmarkpunktion, Nierenbiopsie und eine Darmspiegelung liefern ebenfalls keinen Hinweis auf eine Infektion oder Tumorerkrankung.

    In interdisziplinären Besprechungen richtet sich der Blick zunehmend auf autoinflammatorische und genetisch bedingte Entzündungssyndrome mit wiederkehrenden Fieberschüben. Als während einer weiteren Episode ein stark erhöhter Entzündungsmarker nachgewiesen wird, entsteht der Verdacht auf ein familiäres Mittelmeerfieber, welches im Heimatland der Patientin gehäuft auftritt.

    Interdisziplinäre Besprechungen

    Komplexe Befunde werden interdisziplinär diskutiert. Im Fall von Katja M. beraten Spezialistinnen und Spezialisten aus der MedPol, der Infektiologie, Nephrologie, Rheumatologie und dem Labor gemeinsam über das weitere Vorgehen.

    Spezialisten aus der MedPol, dem Labor, der Infektiologie, der Nephrologie und der Rheumatologie bei der gemeinsamen Fallbesprechung.
    Spezialisten aus der MedPol, dem Labor, der Infektiologie, der Nephrologie und der Rheumatologie bei der gemeinsamen Fallbesprechung.

    Behandlung

    Eine entzündungshemmende Behandlung mit Colchicin wird begonnen – mit anhaltendem Erfolg: Die Beschwerden verschwinden, weitere Fieberschübe bleiben bisher aus. Eine genetische Untersuchung auf das familiäre Mittelmeerfieber fällt jedoch nicht wegweisend aus.

    Colchicin

    Medikament mit Wirkstoff aus der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale), das Entzündungen gezielt hemmt und bei Erkrankungen mit wiederkehrenden Fieberschüben eingesetzt wird.

    Da die Patientin weiterhin gut auf die Therapie anspricht, wird sie derzeit unter der Arbeitsdiagnose «Colchicin-sensitives autoinflammatorisches Syndrom» im rheumatologischen Ambulatorium weiterbetreut.

    Autoinflammatorische Syndrome

    Seltene Erkrankungen, bei denen das Immunsystem wiederholt Entzündungen auslöst – ohne Infektion. Typisch sind Fieberschübe und Entzündungsreaktionen im Körper, zum Beispiel an Gelenken, der Haut oder inneren Organen. 

    Wenn Medizin zur Detektivarbeit wird

    Im klinischen Alltag gibt es immer wieder Fälle, in denen Beschwerden von Patientinnen und Patienten keiner eindeutigen Ursache zugeordnet werden können. Symptome bleiben oft unspezifisch, Untersuchungen werfen neue Fragen auf und der Verlauf ist schwer einzuordnen. Genau hier beginnt die anspruchsvolle Kunst der komplexen Diagnostik. Sie bedeutet, verborgene Zusammenhänge zu erkennen, wo auf den ersten Blick keine sichtbar sind, und verlangt Zeit, Erfahrung und die Bereitschaft, genau hinzuschauen – fast wie bei der Arbeit einer Detektivin oder eines Detektivs.

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