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Zufallsfund mit Folgen

15. Juli 2026

Probleme mit der Prostata tauchen meistens erst mit dem Älterwerden auf.
Es lohnt sich, dieses Organ gut im Auge zu behalten.

  • Fachperson Prof. Dr. med. Stephen Wyler
  • Lesedauer ca. 7 Minuten
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Ahnungslos ging der 58-jährige Beat W. (Name der Red. bekannt) vor rund einem Jahr wegen eines zu hohen Blutdrucks zu seinem Hausarzt. Er verliess die Praxis mit dem Zufallsbefund «Verdacht auf Prostatakrebs». Der Grund: Der PSA-Wert im Blut war deutlich erhöht.

«Ich war schockiert», erinnert sich der Familienvater. Es folgte eine Abklärung auf der Urologie im Kantonsspital Aarau (KSA). «Ein aggressiver Prostatakrebs», bestätigt der behandelnde Urologe Prof. Dr. med. Stephen Wyler, Chefarzt und Klinikleiter Urologische Klinik und Prostatazentrum am KSA.

Als Alterskrankheiten immer häufiger

«Weil wir Männer immer älter werden, treten Prostatakrebs und gutartige Vergrösserungen der Prostata als Alterskrankheiten immer häufiger auf», sagt der Urologe. Bei der Vergrösserung handelt es sich um eine nicht gefährliche Wucherung des Binde- und Stützgewebes in der Prostata. Das beginnt bei vielen Männern ab 40 bis 50; ab 75 Jahren sind fast alle Männer betroffen.

Prostatakrebs gibt es ab 70 ebenfalls sehr häufig: Rund die Hälfte der Männer sind betroffen. «Doch viele Männer werden nichts davon spüren und auch nicht daran sterben», sagt Wyler. Trotzdem sei es der häufigste Krebs bei Männern und die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen. Aus diesem Grund gelte es für Männer, die Veränderungen der Prostata gut im Auge zu behalten.

Die Symptome beider Erkrankungen sind sehr verschieden. Während der Prostatakrebs im Frühstadium kaum Beschwerden macht, wird bei einer gutartigen Wucherung mit der Zeit die Harnröhre blockiert. Die Folge ist ein schwacher Harnstrahl oder Harnstottern und nachts muss man immer häufiger aufstehen, um Wasser zu lösen. «Bei wenig Beschwerden macht man nichts, oder man nimmt pflanzliche Präparate wie Sägepalmenextrakt oder Kürbiskerne», sagt Wyler. Bei stärkeren Beschwerden kommen Alphablocker zum Einsatz.

Genügen die Medikamente nicht, kann mit einem minimalinvasiven Eingriff störendes Prostatagewebe entfernt oder abgeschabt werden. Danach können die Männer wieder besser Wasser lösen. Allerdings wächst die Prostata nach, sodass nach fünf oder zehn Jahren erneut ein Eingriff nötig werden kann.

Die wichtige Geschlechtsdrüse

Die Prostata oder auch Vorsteherdrüse hat als Geschlechtsdrüse eine wichtige Funktion für den Mann. Sie liegt vor dem Enddarm und unmittelbar unter dem Blasenausgang. Dabei umschliesst sie ringförmig die Harnröhre. Ihre Form gleicht einer Esskastanie. Sie produziert ein Sekret, das als Hauptbestandteil der Samenflüssigkeit vor allem für das Überleben und den Transport der Samenzellen verantwortlich ist.

Mehr Informationen unter: Prostatakrebs- und Uroonkologisches Zentrum

Zuerst unscheinbar, dann plötzlich gefährlich

Weil Prostatakrebs im Frühstadium meist keine Probleme macht, gehen die Männer mit Krebsbeschwerden meist zu spät zum Arzt – dann, wenn sich schon Metastasen gebildet haben. Gemäss neuesten Studien reduziert eine regelmässige Vorsorge die Sterblichkeit aufgrund von Prostatakrebs um über zwanzig Prozent. Wer vorsorgt, muss sich jedoch über die Konsequenzen im Klaren sein und eine Operation oder Bestrahlung in Kauf nehmen.

Ist ein Prostatakrebs diagnostiziert, gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten: aktive Überwachung, Bestrahlung oder die Entfernung der Prostata. Da ein Tumor manchmal nur langsam wächst, «gutmütig» und kleinherdig ist, erlangt er für diese Patienten vielleicht nie eine Bedeutung. Dann reicht eine aktive Überwachung. Wenn der Krebs allerdings aggressiv ist, kommt entweder eine Bestrahlung oder Entfernung der Prostata infrage, wobei die Entfernung – so wie bei Beat W. – meist mit Hilfe des Da-Vinci-Operationsroboters erfolgt, eine laut Wyler etablierte Methode.

Bei einer Behandlung bestehen Risiken für Impotenz oder Inkontinenz. «Wichtig ist dabei die Erfahrung des Operateurs und des Behandlungsteams», sagt der Urologe. Die Operation sollte deshalb an einem zertifizierten Tumorzentrum stattfinden.

Die Mehrheit der Patienten im Alter von Beat W. entscheiden sich heute für eine Entfernung der Prostata. Der nachfolgende Spitalaufenthalt dauert in der Regel vier Tage. Die Schmerzen im Bauchraum verschwinden nach wenigen Tagen. Das anschliessende Beckenbodentraining hilft meist nach wenigen Wochen, die Urinkontrolle in den Griff zu bekommen. Sechs Wochen nach der Operation erfolgt die erste Tumor-Nachsorgeuntersuchung. So auch bei Beat W. – mit einem guten Resultat: Die Kontinenz war wieder vollständig zurück. Auch die Potenz verbesserte sich wieder. «Ich bin sehr erleichtert, dass die Zeit der Ungewissheit vorbei ist», sagt er knapp ein Jahr nach der Operation.

Autor

Stefan Müller